78 Kilometer, 980 Höhenmeter: Oloron-Sainte Marie – Col d‘Osquich – Saint-Jean-Pied-de-Port
Wir sind in Südfrankreich. Mitten im August. Und wir bibbern beim Frühstücken. Was läuft da schief? In der Nacht waren es nur zehn Grad. Mein Schlafsack, eigentlich zu dünn. Dick eingepackt verlassen wir den Campingplatz. Stirnband, Jacke, Hose über der Radhose. Es kommt zu stylischen Entgleisungen – Socke in Sandale. So german! Aber egal, Hauptsache wieder warm werden.

Nach rund 30 Kilometern sind wir wieder aufgetaut. Endlich wieder Leben in den Fußzehen. Socken weg, Sonnencreme drauf. Der Col d‘Osquich mit seinen 500 Metern heizt ein. Unsere Freundin aus Freiburg kämpft sich mit uns hoch – trotz Meniskusriss, der noch gar nicht so lange zurückliegt. Richtig stark. Wir feiern den kleinen wie einen großen Gipfel.

Danach Picknick auf einer Kuhwiese. Mit Lachs und Vollkornbaguette. Juliane sorgt einfach für Stil – auch zwischen Kuhfladen.
Mit einer glücklichen Wampe nehmen wir uns die restlichen Kilometer vor. Radeln wird immer zäher. Die Straße ist eine Achterbahn ohne Loopings. Das kostet Kraft. Dafür versüßt uns das Baskenland den Nachmittag.

Es ist sehr grün und die Kühe sehen putzmunter aus. Könnte auch das Allgäu sein, wäre da nicht diese abgefahrene Sprache: Baskisch, eine der ältesten noch gesprochenen Sprachen Europas, sagt Wikipedia. Ü und X neben E und Z, teilweise in einem Wort. Wirkt wie eine Geheimsprache.

Und hier könnte jetzt dieser Blogeintrag mit einem Bild aus einer Bar enden. Mit drei fröhlichen Gesichtern und bunten Cocktails. Aber unsere Geschichte geht anders aus. Nicht dramatisch, aber unerwartet.
Juliane hatte einen kleinen Unfall beim Radeln – auf den letzten zehn Kilometern. Mit ihrem Bein ist sie an der Pedale entlanggeschrammt. Die Pedale hat so herausguckende Antirutsch-Pins. Aua! Ihre Wade sieht nach Raubtier-Angriff aus. Die Wunde ist tief und muss genäht werden. Das nächste Krankenhaus ist 25 Kilometer entfernt. Mit dem Rad? Auf gar keinen Fall. Wir sprechen unsere Campingplatz-Nachbarn an. Ein Oppa will uns fahren. Wegen der langen Wartezeit, möglicherweise, fragen wir bei der Rezeption, ob uns jemand ein Auto leihen kann. Unser Glück, eine junge Dame überreicht uns ihren Autoschlüssel. Ist sowieso gerade eine Ersatz-Karre. Ihr Auto ist in der Werkstatt. Das passt! Der Schlitten hat so viele Schrammen, das würde gar nicht auffallen, wenn noch ein Malheur passiert. Ok, dann los.
Mit der untergehenden Sonne im Rückspiegel düsen wir zur Notaufnahme in Saint Palais. Ann-Sophie bleibt bei Juliane, ich hole Pizzen. Die Notaufnahme ist leer, es geht schnell. Die Ärztin entscheidet, es muss nix genäht werden. Komisch! Bisschen ratlos und verwirrt futtern wir die Pizzen vor dem Eingang und tuckern wieder zum Campingplatz.

















































