Tag 4: vom Stadl ins Kinderzimmer

Erstmal besenrein gemacht, bevor die Isomatte ausgerollt wird.

97 Kilometer, 1.120 Höhenmeter: Rettenberg im Allgäu-Nesselwang-Füssen-Murnau am Staffelsee

Die Nacht im Allgäuer Heustadl war sehr lauschig. Mitfahrer Adrian hatte den Schuppen über Bekannte klargemacht. Einen Betonboden, ein Holzdach und ganz viel Heuduft in der Nase – das waren die Schlummerzutaten. Draußen blitzte und donnerte es und drinnen klapperte eine Plane an irgendeinen Holzbalken. Ein wohliges Gefühl zu wissen, dass uns die Regentropfen nichts anhaben können. Mitradler Lars hatte sich ganz altruistisch selbst ausquartiert und vor dem Stadl geschlafen – wegen krasser Schnarchlaute. Als der Regen stärker wurde, zog er dann in die andere Ecke des Stalles um. Ich wurde durch sein Röhren zum Glück nicht wach. Auch die Mäuse haben mich in Ruhe gelassen und weder meinen Essensbeutel, noch mich angeknabbert. Nur eine Nacktschnecke sabberte die Unterseite meiner Isomatte voll. Igitt. Und beim Anziehen meines Bustiers kam ein Ohrenkneifer herausgehüpft. Leute, die Abhärtung ist in vollem Gange.

Abhärtung auch auf dem Asphalt: Nach Porridge und Katzenwäsche hatte uns die Straße zurück. Die Allgäuer Alpen türmten sich wie Toblerone vor uns auf. Die Wiesen erinnerten mich an liegende Bierbäuche.

Mittagssnack in Füssen, vorbei am Schloss Neuschwanstein. Die Dörfer sehen aus wie die Kulissen von „Der Bergdoktor“. Fast zu hübsch. Wo ist der nächste Sperrmüllhaufen? Oder Graffiti? Nicht in Oberbayern, mein Eindruck.

Voll durchgehighlightet der Bodensee-Königssee-Radweg: May I present you, Neuschwanstein.

Nachmittags gibt es Bienenstichtorte mit Bergblick. Leider liegen noch 50 Kilometer vor uns. Ich muss die Zähne zusammenbeißen. Mein Rad mitsamt Krams ist zu schwer. Morgen wird aussortiert.

Neben bisschen Radfrust aber auch wieder Glücksmomente. Nicht nur wegen der Torte. Über die Radler-Plattform „Warmshowers“ habe ich Kristian in Murnau angeschrieben. Er nimmt uns bei sich auf. Wir dürfen in den Zimmern seiner Kinder übernachten. Die sind gerade bei ihrer Mutter. Mein Köpfchen liegt auf einem Pferde-Kuscheltier. In meinem Bauch tummeln sich Haxe, Rotkraut und Spätzle. Unten im Keller macht Kristians Waschmaschine unsere Klamotten wieder fresh. Einfach nur so dankbar!

Power für morgen tanken!

Tag 3: Griaß di, Allgäu

77 Kilometer: Lindau-Oberstaufen-Alpsee-Rettenberg

Der Alpsee in den Allgäuer Alpen.

Byebye Bodensee, welcome to Allgäu. Erinnert mich auf den ersten Blick an den Schwarzwald: hohe Nadelbäume, saftige, grüne Wiesen und Häuser mit Holzschindeln. Die erste Etappe des Bodensee-Königssee-Radweges führt uns durch diese Bilderbuch-Landschaft. Wieder voll Sonne, das Herz pumpt, alle Schweißdrüsen busy. Meine Haut? Einfach nur salted caramel. Vor mir ein Auto mit Kennzeichen „LI:MO“. Okay, ich habe verstanden. Beim nächsten Café gibt es eine Holder-Schorle. Der Elektrolytehaushalt muss in der Balance bleiben. Kleine Anekdote dazu am Rande: In Niederstaufen sind wir an einer Militärübung vorbeigefahren. Deutsche Soldaten bilden da gerade UN-Beobachter aus. Einer dieser Soldaten mit verschmierter, schwarzer Tarnfarbe auf den Backen hat mir einen Schoko-Müsliriegel geschenkt. So gut!

Kurzer Zwischenstopp danach in einem zünftigen Gasthaus mit Wienerle, Weißwürsten und Maultaschen. Danach weiter auf dem Bodensee-Königssee-Radweg. Viel rauf und runter. Die Dorfjugend tuckert mit Oldtimer-Treckern durch diese saftige OA:SE (OA = Oberallgäu) und die Bauern und Bäuerinnen kehren das duftende Gras auf den Feldern zusammen. Idylle beim Vorbeifahren.

Insgesamt geben wir uns wieder 1.000 Höhenmeter in die Knochen. Da kommt der Alpsee wie gerufen. Hatte den Seenamen noch nie gehört vorher. Wasser, dahinter eine Bergwand. Und die Alpen blitzen immer wieder vor. Unvorstellbar, dass ich erst vor zwei Tagen aus Freiburg losgeradelt bin.

Details zu der bevorstehenden Nacht im Stadl dann morgen.

Tag 2: E-Bike-Flut und Wellenrauschen

Bodenseeufer gesehen und direkt reingesprungen!

93 Kilometer: Hattingen-Ludwigshafen-Meersburg-Friedrichshafen-Lindau

Die Nacht war heavy. Kaum geschlafen. War wohl zu aufgeregt. Kleiner Trost: der Sternenhimmel beim Klogang. Über Hattingen hat es so gefunkelt.

Am Morgen hat mir unser Eiermän eine Kiste mit Butter, Brötchen und Marmelade in die Hand gedrückt. Ich habe ihm dafür die erste Postkarte aus Tiflis versprochen. Schöne Vorstellung, dass aus dem georgischen Postamt „Eier Duttlinger“ angesteuert wird.

Nach dem Frühstück, ab auf die Piste. Die Landschaft sah aus wie in einem Radkatalog. Kleine, geschwungene Landsträßchen, wellige Maisfelder. Und: viele Abfahrten, die uns am Mittag ans Bodenseeufer in Ludwigshafen bringen. Radhose aus, Bikini-Höschen an und abkühlen. Ein Glücksmoment. Das Wasser ist türkis und total erfrischend.

Nach Wellness kommt die Anstrengung. Der Bodenseeradweg in Richtung Lindau ist voll der Highway. So viele E-Bikes, schon stressig. Und die Sonne knallt runter. Hab auf den Beinen Sonnenbrand. Bisschen Panne. Trotz Sonnencreme.

Alles gerade voll überlaufen am Bodensee.

Irgendwann unbemerkt überfahren wir die Landesgrenze und sind plötzlich in Bayern. Himmelherrgottarschundzwirn. Wir steuern bei Lindau einen Campingplatz an, der ist eigentlich schon voll, sagt ein Schild am Eingang. Ein Opa neben der Rezeption empfiehlt uns die ganze Zeit, ruhig zu bleiben. Wir sind doch ruhig 🙂 Eine Familie ist wohl nicht gekommen, es gibt also noch ein Rasenstückle. High Five! Danach Edelsteine in einer Pizzeria lassen, Wein und Kirschen am Seeufer und dann bubu.

Tag 1: 97 Kilometer durchgepowert

Freiburg-Sankt Märgen-Donaueschingen-Hattingen

Kurz nach 10 Uhr in Freiburg: Mit baked beans, Rührei und Speck im Bauch (Danke Oli) starten Lars, Adrian und ich ins Abenteuer. Es hat die ganze Nacht durchgeschüttet, aber pünktlich zur Abfahrt ist es trocken. Dafür kullern bei mir ein paar Tropfen runter. Schon hart, so ein Abschied.

Die ersten Kilometer vergehen wie im Rausch. Vorbei an goldgelben Weizenfelder und urigen Schwarzwaldhäusern. In den Schwarzwaldwipfeln steigt Nebel auf. Und wir machen Selfies und schreien „Wuhuuu“. Die Luft ist so unendlich frisch. Der Abschiedskummer ist schon bisschen weggestrampelt.

Nach den ersten Kilometern mit Anstieg wird aber auch klar: Ich bin hier die Schnecke auf der Tour. Die Herren pesen mit ihren Rädern an mir vorbei. Für mich fühlt es sich so an, als ob ich einen Fernsehsessel die Serpentinen hochschiebe. Habe ich vielleicht zu viel mitgenommen? Meine Beine müssen echt kämpfen. Nicht so cool. Ich muss unbedingt ein paar Sachen weglassen…

Blick ins Steinbachtal
Meine Travel-Buddys
Alter Falter

Wir heizen nach Urach, immer an der Breg entlang, bis wir irgendwann in Donaueschingen ankommen. Ich habe so Hunger. Zwei Proteinriegel habe ich quasi unterwegs weggeatmet. Traubenzucker musste auch schon sein. Im Café Reiter in Donaueschingen gibt es Brötchen und Streuselkuchen. Alles wieder gut. Wir machen einen kleinen Abstecher an die Donauquelle. Sieht aus wie ein Sumpf mit grünen Glibberalgen. Joa. Die Donau führt ja bis ans Schwarze Meer, ist quasi so eine kleine Seelenverwandte.

Von Donaueschingen dann nach Geisingen bis nach Hattingen. Whatever. Über die App „Landvergnügen“ habe ich den Biolandhof „Eier Duttlinger“ mit ganz vielen gackernden Hühnern gefunden. („Landvergnügen“ ist eine Stellplatz-App für WoMos, man kann kostenlos auf Höfen übernachten und soll dann etwas Geld im Hofladen oder im Spendenkässchen lassen). Wir holen die Zeltstangen heraus und bauen unsere Nester auf. Zwischen Federvieh und unseren grünen Iglus sind es nur drei Radlängen. Die Abendsonne ist wahnsinnig schön.

Unser Camp

Kurz danach kommt der Hofbesitzer mit seiner Familie vorgefahren. „In 42 Autostunden ist man in Georgien“, sagt er lächelnd beim Aussteigen. Wir hatten vorher schon telefoniert. Er öffnet uns die Tür zum Stall. Es gibt mehrere Waschbecken, eine Toilette und eine Kaffeemaschine. „Wenn ihr Eier braucht, könnt ihr euch ruhig bedienen“. So herzlich. Morgen früh will er uns sogar Brötchen vorbeibringen und seine Frau versorgt uns mit Marmelade. Da dachte ich schon: Halleluja, wir haben schon wieder Glück. Dann ging es noch weiter. Wenig später kam seine Tochter wieder angefahren und hat uns noch ein Sixpack Bier und Wein mitgebracht. Das käme von ihrem Daddy, meinte sie. Puh, was für ein unglaublich toller Start. Danke, Eier Duttlinger.

Noch einmal schlafen und ganz viel packen

Was muss mit? Was kann zuhause bleiben? Wie lassen sich Dinge leichter und kleiner machen? Brauche ich wirklich eine Regenhose oder lasse ich meine Beine einfach nass regnen? Komme ich mit einem Kochtopf klar? Vorne noch zwei Radtaschen oder nur hinten? Puh, meine Synapsen sind in den letzten Tagen heiß gelaufen. Nach unzähligen Besuchen in diversen Outdoor-Läden habe ich aber endlich meine Hardware zusammen. Seht selbst!

RAD UND ZUBEHÖR

  • Trekking-Rad T900 vsf Fahrradmanufaktur Rohloff Speedhub 14-Gang, Magura-Felgenbremsen
  • Neue unplattbare Reifen „Schwalbe Marathon Plus“
  • Getriebeöl-Wechsel bei der Rohloff Speedhub 14-Nabengangschaltung
  • Neue Kette
  • Neues Faltschloss ABUS Bordo Lite 6150/85
  • Pitlock
  • Neuer Tourensattel „Terry Fisio GTC Gel Max Women Touring Comfort Sattel“
  • Ersatz-Bremsbeläge
  • Ersatz-Schlauch
  • Ersatzspeichen
  • Flickzeug
  • Multitool (Geschenk von Mitbewohnerin, Danke Hanna)
  • Luftpumpe
  • Zwei Getränkehalter mit Flaschen, weil Durst
  • Zwei Radtaschen von Ortlieb à 20l
  • Eine Lenkertasche von Vaude „CityBox Tasche“

RADTASCHEN-CONTENT

Kochen:

  • Optimus Terra Xpress HE Kochtopf 
  • Taschenmesser
  • Gewürze-Döschen
  • Olivenöl im Fläschchen
  • MSR PocketRocket2 Gaskocher
  • Gaskartouche
  • 1-Liter-Filterflasche für Trinkwasser von Katadyn
  • „Notessen“: Fischdose und Tütensuppen

Schlafen:

  • Zelt von Wechsel „Pioneer“, 2,1 Kilo
  • Foodprint von Wechsel
  • Isomatte SEA TO SUMMIT – Women’s Comfort Plus Self Inflating Mat
  • Decathlon Schlafsack, uralt, vielleicht zu dünn
  • Innenschlafsack (Travel Sheet) von Cocoon

Klamotten:

  • Merino-Langarm-Shirt
  • Merino-Leggings
  • Regenjacke von Rab
  • Daunenjacke von Rab
  • Zwei Radhosen von Giro
  • Schlabberhose
  • Sport-Shirts
  • Baumwoll-T-Shirts
  • Tuch
  • Stirnband
  • Cappy
  • Teva-Sandalen
  • Trekking-Schuhe von Scarpa
  • Handtuch
  • Radhandschuhe
  • Radbrille (klar Helm)
  • Kulturbeutel (Zahnbürste, Bürste, Zahnpasta, Shampoo, Sonnenspray, Menstruationstasse…)

Apotheke:

  • Erste-Hilfe-Paket von Vaude
  • Atmungsaktiver Schutzbalsam von Linola

Technik:

  • Powerbank von Anker 20.000mAh
  • Iphone 12
  • Thinkbook Lenovo
  • Bluetooth Box

Krams:

  • Hängematte
  • Stirnlampe
  • Warnweste
  • Wichtige Dokumente, sind zusätzlich eingescannt (Impfpass, Perso, Führerschein, Kreditkarte, Krankenkassen-Karte, Reisepass)
  • Banane (Tasche)
  • Zwei Bücher
  • Photos von meinen Darlings
  • Nähzeugs, Sicherheitsnadeln, Büroklammern, Seil, Gummiband, Plastiktüten