Radlerin

Zur Radtour Freiburg-Georgien 2022:

Ich, die Fliege, Georgien, das Licht. Es ist einfach Anziehung.

Fragt sich die Fliege, warum sie gegen den Lampenschirm fliegt? Nö, sie tut es einfach. Autsch. Corona und Kriege können sie nicht aufhalten. Vorerst.

Meine Flügel haben Pedale. Und wenn ich genug kurbele, dann erreiche ich vielleicht das Paris des Kaukasus. Das wäre mein Traum.

Das Freiburg-Mixtape ist auf Pause gesetzt. In meinem WG-Zimmer lebt nun eine andere Lady und bei der Arbeit habe ich unbezahlten Urlaub genommen. Au revoir Schreibtisch!

Dreieinhalb Monate bin ich unterwegs. Schaue auf den Horizont, lasse mich von Mücken stechen und bekomme Monster-Waden. Es wird eine Road-Romanze! Alleine bin ich nicht. Sie heißen Lars, Adrian, Jacky oder Ann-Sophie und begleiten mich auf meinem Weg. Hunderte Kilometer, je nach Etappe.

Und wenn der erste Schnee im Schwarzwald fällt, bin ich zurück.

.
.
.

Hier noch eine Legende über Georgien mit Gott (weiß aber nicht, ob es den gibt):
Auszug aus „Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nora Haratischwili, Seiten 17-18.

„Gott teilte eines schönen Tages seine von ihm erschaffene Erdkugel in Länder auf und veranstaltete einen Jahrmarkt, auf dem alle Menschen sich lautstark überboten, um die Gunst von Gott buhlend, in der Hoffnung, so das beste Fleckchen Erde abzukriegen (ich vermute, die Italiener waren die Effektivsten in der Kunst der Beeindruckung und die Tschuktschen hatten es nicht so recht drauf). Nach einem langen Tag war die Welt in viele Länder aufgeteilt und Gott müde. Aber Gott – so weise wie eh und je – hatte sich natürlich eine Art Urlaubssitz zurückbehalten, das schönste Fleckchen Erde: reich an Flüssen, an Wasserfällen, an saftigen Früchten und – er muss es geahnt haben – mit dem besten Wein der Welt. Und als sich die aufgeregten Menschen auf den Weg in ihre neue Heimat gemacht hatten, wollte sich der liebe Gott unter einem schattigen Baum ausruhen, wo er einen schnarchenden Mann entdeckte (bestimmt mit einem Schnurrbart und einer gemütlichen Wampe, so habe ich ihn mir zumindest immer vorgestellt). Er war bei der Aufteilung nicht dabei gewesen und Gott wunderte sich. Er weckte ihn und fragte, was er hier tue und warum er kein Interesse an einer eigenen Heimat habe. Der Mann lächelte mild (vielleicht hatte er sich bereits ein, zwei Gläschen Rotwein genehmigt) und meinte (da gibt es verschiedene Versionen der Legende, aber einigen wir uns auf diese), dass er auch so zufrieden sei, die Sonne scheine, es sei ein herrlicher Tag und er würde sich mit dem begnügen, was Gott für ihn übrig hatte. Und der liebe Gott, gütig wie eh und je, beeindruckt von der Lässigkeit und dem nicht vorhandenen Ehrgeiz des Mannes, schenkte ihm sein eigenes Urlaubsparadies, also Georgien […].