Tag 9: Nur pfui!

58 Kilometer: Zwentendorf-Tulln an der Donau-Wien

So viel und lang geträumt: ein Katastrophen-Szenario. Stromausfall, Überflutungen, Panik. Rot-weißes Absperrband rund ums Oberstübchen. Der Kopfsalat (der in Österreich übrigens Häuptelsalat genannt wird) zieht nach dem kilometerstoarken Tag gestern alle Register.

Aber Entwarnung: Auf dem Campingplatz in Niederösterreich steht noch alles. Es gibt nur eine kleine Ameisen-Invasion in der Haribo-Cracher-Tüte. Mein Fehler. Nicht richtig verschlossen. Also dann Ohropax raus, Müsli rein. Und los geht’s.

Nach 15 Kilometern hocken wir schon wieder im Café, nach weiteren 20 gibt es eine Croissant-Pause. Wien, wir kommen!

2022

Die Straßen werden breiter, die Häuser dichter. Michas erster Kommentar: „Könnte auch im Ruhrpott sein!“ Die Außenbezirke, durch die wir kommen, sind wirklich keine Schönheiten. Der Lack ist ab. Doch aus Schmuddel-beige wird mehr und mehr Schnieke-beige.

Wir erreichen unser Airbnb im Karmeliterviertel neben der Wiener Altstadt. 36 Euro für zwei Personen pro Nacht. Unsere Erwartungen sind niedrig, aber die Realität ist noch schlimmer. Das Zimmer D kommt direkt aus der Ekel-Hölle. In der einen Zimmerecke lauert eine Beißschiene, daneben eine tote Wespe. Haare, Staub, Krümel. Ein Gerippe von Bett. Ein Spiegel voller Fingerabdrücke. Ich bin ein Sparfuchs, aber das geht nicht. Statt Wohlbefinden Kloß im Hals. Will nur weg.

Wer gehört zu dieser Kauschiene?

Wir packen zusammen. Vor dem Haus nehme ich Kontakt mit Airbnb auf – wegen der Stornierung. Der freundliche Mann am Telefon verlangt Photos von der Bude. Ich geh nochmal rein – davon würden Therapeuten bestimmt abraten. Aber die 36 Mäuse will ich zurück – und reinvestieren in ein sauberes Nest auf Zeit. Micha und ich recherchieren. Auf booking finde ich eine ganze Wohnung – mit Waschmaschine, für 80 Euro. Tausendmal lieber als Zimmer D.

Wir radeln nochmal durch die Stadt. Der Wind nimmt zu, Gewitter naht. Wir schaffen es rechtzeitig. Die Vermieterin empfängt uns im Treppenhaus, sie war zufällig da. Paola heißt der Engel. Sie ist sympathisch, gibt Tipps, wo Wiener Schnitzel zu haben sind. Zum Beispiel beim „Treu am Platzl“. Wir sind wieder versöhnt. Mit der Situation, mit dem Universum.

Zweiter Versuch!

Hinterlasse einen Kommentar