Tag 7: Manuela, pack die Knödel aus

95 Kilometer: Hirschbach-Gallneukirchen-Mauthausen-Grein-Hößgang-Willersbach

Eine Brötchentüte auf meinem Gepäckträger. Zwei Mehrkornbrötchen, zwei Buttercroissants. Der Kräuterwirt hat Wort gehalten. Ehrenmann! Weil wegen nix Aufstrich, kaufen wir für 80 Cent zwei Eier im Hofladen – von den gackernden Ladies neben uns. Leckerschmecker.

Wir müssen unsere Route über Bord werfen. Ab Donnerstag soll es schiffen und donnern – genau dort, wo wir hinwollen: in der Steiermark. Dazu Temperaturen um die zehn Grad. Brr. Meine Fußzehen laufen gefühlt jetzt schon lila an. Nein, Danke. Es braucht einen Plan O quasi: Osten statt Süden.

Wir radeln entspannt – mit dem Flow der Rentner – an der Donau entlang, bis nach Wien und von da aus mit dem Zug ins slowenische Herz, nach Llublijana. Und dann ist auch das Soča-Tal nimmer weit – unser Sehnsuchtsziel. Ok, Deal!

Mit Ei und Brötchen auf dem Magengrund geht es durch Oberösterreich. Super zum Biken. Asphalt-Teppiche ohne Mittelstreifen. Auf beiden Seiten des Lenkers Blicke runter ins Tal. Wir machen richtig Meter. Fast 30 Kilometer stetig bergab. Balsam nach gestern.

Zu unserem Glück gesellt sich noch die Donau. Kurz nach Linz fast so breit wie der Rhein bei Köln. Mit jedem Kilometer wird es postkartiger.

Die Erinnerungen an die Tour nach Georgien rieseln in die Gedanken. Mit meinem ehemaligen Mitbewohner Lars bin ich genau hier vor drei Jahren langgefetzt.

Was mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht: die Marillenknödel von Manuela. Ein schmuckloser Imbiss mit Plastikstühlen und Flecken auf den Sitzkissen, rechtsseitig der Donau. Mit bisschen Google-Maps-Rein-und-Rauszoomen und Nachdenken finde ich ihn wieder auf der Karte: „Manuelas Radstation“. Mein Herz rutscht in die Radlerhose. Ich bin aufgeregt vor lauter Vorfreude!

Und tatsächlich, der Schuppen existiert noch und hat auf. Herzklopfen.

Rote Speisekarte. Alles zu haben, aber keine Marillenknödel? Ich frage Manuela herself. Sie nickt leicht. War das ein Ja? Die Spannung steigt. Ein anderer Kellner kommt: Habt ihr Marillenknödel? Ein vorsichtiges Nicken. Also wenn, dann gerne mit viel Sahne, sage ich. Kurz darauf kommt der Typ mit der ersehnten Kugel zurück. Mit Haselnuss-Streuseln und Sahne-Lawine. Warm, nicht heiß. Die Welt hört kurz auf, sich zu drehen. Teigig, knusprig streuselig, Sahne-Fluff. Geschmack schlägt Phantasie.

Völlig high radel ich treulos meinem Micha hinterher. Der hat noch Ziele: vor 19 Uhr beim improvisierten Campingplatz neben einem Gasthaus ankommen. Sein flatterndes Hemd, nur noch ein kleiner Punkt. Immer weiter, mit dem Flow der Donau und den Knödel-Endorphinen.

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