60 Kilometer: Camping Paradijs bei Rajov-Cesky Krumlov-Grenzübergang-Österreich-Hirschbach Kräuterwirt
Sonnenstrahlen im Zelt, Rührei aus der Tüte, Radel-Euphorie in unseren Gesichtern. Doch das ändert sich schon bald. Am Nachmittag färbt sich der Himmel wieder dunkelgrau. Und da ist er wieder, der Regen. Kein schüchterner, sondern so Hey-hier-bin-ich-Regen. Wir stellen uns unter ein Scheuendach unter. Ein österreichischer junger Landwirt öffnet extra das Tor für uns. Achja: Wir sind mittlerweile in Österreich! In Tschechien haben wir kurz vor der Grenze die letzten 100 Kronen verscheuert. Unglaublich, was man für vier Euro alles bekommt:

Zurück in Ösi-Länd: Der Regen lässt minimal nach, also sagen wir uns: Durch da. Mit Regenjacke und Regenhose gegen alle Tropfen. Aber Gegenwind, 15 Grad und eine laufende Nase trüben die Laune. Sommerwetter, wo bischt?
Kurzer Zwischenstopp in einem Supermarkt. Alles klebt, ist nass und hängt schwer runter. An der Fleischtheke ordere ich einen Landjäger. Muss irgendein Survival-Instinkt sein. Die Wurst hat den Durchmesser einer Gurke. Krasses Geschoss, aber hilft. Noch 14 Kilometer rauf und runter – wie schon die letzten 45 Kilometer. Ich muss ganz schön die Zähne zusammenbeißen. Micha fährt vor und motiviert.
Langsam und mit aufgeweichten Fingern kommen wir an – beim Kräuterwirt in Hirschbach (Oberösterreich). Ein Gasthaus mit Wiese für Camper und einer wahnsinnig herzigen Wirtsfamilie.

Eigentlich gibt es nur die Toilette im Gasthaus für die Camper, wir dürfen allerdings die Mitarbeiter-Dusche mitbenutzen. Und damit nicht genug: Der Wirt, ein stämmiger Typ – kurze Haare, laute Stimme, runder Bauch – sagt, dass wir im Gasthaus, genauer gesagt im „Event-Stadl“ auf dem Boden schlafen können. Das sei wärmer und gerade sowieso Ruhetag. Wir zögern kurz, nehmen das Angebot aber gerne an. Kurz darauf das nächste Geschenk: Ob wir Spaghetti Bolognese mögen? Er hätte noch was übrig… Äh, ja klar.

Mit zwei vollen Tellern kommt er zurück. Dazu auch noch Tomatensalat und Brötchen. Als er draußen unseren Gaskocher sieht – für Tee – stapft er wieder vorbei und bringt noch zwei Tassen mit heißem Wasser. Micha fragt, ob es hier irgendwo eine Bäckerei gebe? Nee, sagt der Kräuterwirt. Aber er gehe morgen früh um 7 Uhr schwimmen, er bringe uns danach einfach Brötchen und Croissant mit. Gar kein Problem. Wir sind geplättet vor Glück und Mitmenschlichkeit.
