68 Kilometer: Mittelndorf-Lichtenhain-Ceska Lipa-Holany
Augen in der Tasse mit Müsli, Augen auf die Berge vor uns. Die Sonne kommt raus und trocknet unser ganzes Zeug. Camperglück! Wir packen zusammen und rollen los.
Nach sieben Kilometern meldet sich schon der Magen. Appetit! Ruft er. Das Frühstück ist verpufft. Wie gut, dass ein Gasthaus zufällig Fischbrötchen anbietet – mit Forelle und Meerrettich-Preiselbeeren-Creme. Zack, verschwunden.

Wir radeln dahin, auf der Radroute durch die Sächsische Schweiz. Immer wieder wulstige Felsen, verwunschen, geheimnisvoll. Eine Landschaft, ideal für Wegelagerer, die feine Herrschaften in noch feineren Kutschen überfallen.


Eine kleine Holzbrücke und schon sind wir: Tschechien! Schotterwege, sehr wenig Vögel, Blätterrauschen. Endlich wieder Stromleitungen und Asphalt. Die Zivilisation naht! Und mit ihr die vielen Hügel. Hoch, runter. Puh, das zieht echt Batterie. Wir machen in einem Bushäuschen Rast. Micha zaubert eine Erdnuss-Dose aus seiner Radtasche. Völlige Begeisterung meinerseits.
Wir mümmeln die Erdnüsse weg und putzen nochmal 20 Kilometer weg. Bis zu einer Stadt namens Ceska Lipa. Beim Bankomat tankt Micha Kronen auf. Nix Euro in Tschechien. Mit dem neuen Spielgeld geht’s in den nächsten Supermarkt. Wir haben 1.500 Kronen, umgerechnet rund 60 Euro. Das Einkaufen wird zur Matheaufgabe. Am Ende greifen wir einfach zu. In unseren Händen: indisches Nan-Brot, Paprika, Lauch und Quark. Und Ü-Eier. Super praktisch, um Kräuter und Gewürze zu lagern.
Die letzten Meter bis zum Campingplatz. Reservieren konnten wir nicht, wir fahren einfach hin. Die Rezeption ist schon dicht, aber in der Campingplatz-Bar ist Leben. Ein untersetzter Typ, der kein Wort Englisch spricht. Naja, und wir haben gerade erst Hallo und Danke gelernt. Mit Apps und einem hinzugerufenen Gast funzt es. Wir dürfen bleiben – und unser Zelt im „wood“ aufschlagen, das interpretieren wir mit „am See“. Morgen kommt der Chef erst, bis dahin ist noch viel Zeit. Für Bier zum Beispiel. Ein halber Liter kostet beim Campingplatz nur etwa 1,50 Euro. Doch die Bar ist nach der Dusch-Session verriegelt. Und so knabbern wir an unserem Gemüse…
