56 Kilometer: Dresden-Pirna-Bad Schandau- Mittelndorf
Mittwochnachmittag in Dresden, Gleis 1, Wagen 255: Ein junger Mann mit offenem Hemd und voll gepacktem Rad stürmt auf mich zu. Zweieinhalb Wochen sind geschafft, endlich kann ich meinen Micha wieder knuddeln. Aber lange Schmusereien sind nicht drin. 60 Kilometer wollen dahinschmelzen.
Wir juckeln durch Dresden. Plattenbauten wie Bauklötze. Die Kuppel der Frauenkirche, Ampelmännchen mit Hut. Alles zieht vorbei. Wir sitzen wieder auf dem Sattel. Ein schneller Kuss an einer roten Ampel.

Der Wind schnipst uns nach vorn. Links die Elbe, rechts immer wieder nette Büdchen – mit „Omas DDR-Nudeln“, Eierkuchen oder Fettbemme, wohl Brot mit Fett. Verlockend, aber noch regiert die eigene Tupperdose: Gestern habe ich noch Zimtschneckenhaufen gemacht.
Mit Kardamon-Fahne strampeln wir weiter. Es wird grüner und hügeliger. Felsen wie gestapelte Pancakes. Die sächsische Schweiz klopft an. Wir verlassen die Elbe und tauchen in den Wald ein. Es donnert und blitzt. Regen und Wind schauen vorbei (keine Sorge, Mama, Unterhemd ist am Start).
Noch zehn Kilometer oder doch nicht? Kleiner Fehler in der Routenplanung. Entweder fahren wir wieder viele Kilometer zurück oder wir schieben unsere Räder einen steilen Waldweg hoch. Wir sind bekloppt, wir drücken unsere Räder hoch. Voll anstrengend, aber viel schneller. Unser Campingplatz: Bergoase. Wie wahr. Ein schnuckeliger Platz entlang der Panorama-Route in der sächsischen Schweiz.

Zwei Duschmarken später sitzen wir bei Nudeln und Tomatensoße mit Feta und Möhrchis über unseren Tellern. Selig und satt.
