99 Kilometer: Groß-Zimmern-Bensheim-Schwetzingen-Hockenheim-Philippsburg (Campingplatz Freyersee)
Ein Frühstück mit Kürbiskernbrötchen, Butter und gestreifter Streich-Schoki. Freundin Bille verwöhnt mich. Muss aber nach zwei Brötchen und einem Schokocroissant-Fladen aufgeben. Reicht für die ersten 20, 30 Kilometer.
Die Tour führt durch Wälder, an Landstraßen vorbei und durch sehr viele Städtchen. Besonders lebendig: das südhessische Bensheim. Um 10 Uhr wird da schon Eis geschleckt und Fischbrötchen verschlungen. Backfisch, Makrelen, frische Krabben. Mein Herz schlägt höher. Meinen Magen lässt’s kalt. Hunger? Fehlanzeige!

Ab Kilometer 40 geht der Fahrspaß flöten. Der Gegenwind wird immer stärker. Die Strecke ist flach, aber meine Beine kurbeln einen Berg hoch.
Ok, ich brauche Ziele, kleine Motivations-Kicks. Sonst wird das nix. Currywurst mit Pommes zum Beispiel. Bei „Alles Wurst & Co“ im Mannheimer Industriegebiet werde ich fündig. Der Betreiber hat den Imbisswagen erst seit drei Wochen. Den Stellplatz – einen Parkplatz neben einer Autowerkstatt – hat er auf EBay Kleinanzeigen gefunden. Sympathisch!

Die Currywurst ist jetzt nicht der Hit, liefert aber Energie. Als Topping löffel ich noch ein paar Skyr-Reste und zurück auf den Sattel.
Ich kämpfe! Die Beine sind schlaff und der Kopf hat den Tourmodus aus dem Sortiment genommen. Hinzukommt die permanente Versuchung: die Bahngleise sind nur einen Gestrüpp-Wall entfernt. Aber nein, Zähne zusammenbeißen. 70, 80, 99 Kilometer. Irgendwie schmelzen die Kilometer und das Schild „Rezeption“ taucht auf. Matsche, aber happy – angekommen beim Campingplatz in Philippsburg. Liegt zwischen Mannheim und Karlsruhe. Wäre ich wohl niemals extra hingefahren, kann ich aber jetzt wärmstens empfehlen. Es gibt einen schönen See, einen Automaten mit Spaghetti-Eis und vor allem einen herzlichen Gastgeber, der mir sogar einen Stuhl ans Zelt bringt. Eigentlich war der Platz sogar ausgebucht, ich darf ausnahmsweise auf dem Rasenstück eines Dauercampers pennen. Glückssträhne!

Und so plätschert der Abend dahin. Erst See, dann kochen. Nach der Currywurst alle Zeichen auf gesund. Gibt Gemüse mit Reis. Beim Umrühren schaue ich Kids beim Einbuddeln in den Sand zu. Das Trampolin ist heiß begehrt und im Wasser geht gerade ein Handstand unter. Ich mag Campingplätze!
