Bordeaux – Paris mit dem TGV
Es ist fast noch Nacht, als ich mit meinem Rad das Hotelzimmer verlasse. Hoffentlich sieht mich niemand. Die Rezeption ist in einem anderen Gebäude, alles gut gegangen. Ich quetsche mich in den Aufzug. Zweimal rechts und dann geradeaus. Der Bahnhof in Bordeaux ist nur ein Katzensprung entfernt. Viel ist auf den Straßen noch nicht los. Nur ein paar leuchtend gelbe Müllmänner, die die City für den Tag fit machen.
Am Gleis ist alles entspannt. Muss zu Wagen 1. Ganz nach vorne. Tür auf, Rad rein. Schön unspektakulär. Ein anderer Radler steigt zu. Aber er lässt sofort die Kapuze runter und pennt auf dem Tisch ein. Ok, kein Smalltalk, auch nicht schlimm.

Um 10 Uhr sagt die Schaffnerin: Nous rentrons en gare de Paris-Montparnasse. 600 Kilometer in drei Stunden weggeballert: Dieses Tempo bin ich nicht mehr gewöhnt. Verrückt, am Ziel anzukommen, ohne das Relief der Landschaft in den Beinen zu spüren. Könnte jetzt auch London sein. Aber ist zum Glück Paris. Zurück in der alten Heimat (2013-2016). Das macht es nicht so schwer.

Auf dem Weg zu meinem Kumpel Stéphane – kennengelernt bei einem Deutsch-Französischen Stammtisch im Erasmus-Semester – lasse ich mir sehr viel Zeit. Fahre erstmal zum Eiffelturm und beiße in einen Apfel. Die Stadt ist ziemlich leer gefegt, die Erschöpfung nach dem Olympia-Sturm. Selbst im größten Kreisel, den ich kenne – beim Arc de Triomphe – stört sich niemand an meinem Sonntags-Schneckentempo. Gucken, erinnern, bisschen treten.
Und da stehe ich schon mit meinen Klötzen vor Stéphanes Haustür. Ich soll den Aufzug nehmen, das Rad gleich mit rein. So gefährlich hier? Na gut.
Er empfängt mich in der Wohnung seiner Eltern. Da sei mehr Platz. Seine Freundin aus Kolumbien ist auch gerade zu Besuch. Lorena spricht kein Französisch und nur un poquito Englisch. Wir bauen kunterbunte Sätze – auf Frengspanisch. Das Wort Pizza verstehen alle. Wir tigern zum Lidl nebenan, der rote Faden dieser Reise. Stéphanes Perle greift zur TK-Pizza. Bin etwas irritiert. Machen wir den Teig nicht selbst? Äh, Kochen ist nicht vorgesehen. Ich schlage Fertig-Teig vor. Alle nicken.
Lorena und ich schmeißen den Laden in der Küche. Sie ist total begeistert von dem Fertig-Teig. Macht Photos, verschickt viele Pizzen nach Südamerika. Das sei für sie etwas ganz Neues. Spannend!
Nach der Pizza brauche ich ne Siesta. Im Kinderzimmer von Stéphanes Sohnemann darf ich schlummern. Neben dem Playmobil-Piratenschiff und den Plüsch-Huskys. Wohlfühlen!

Beim Dösen überkommt mich ein Backflash. Kaufe Zutaten für Bananenbrot und Crêpes. Stéphane hockt sich auf die Arbeitsfläche und plaudert los. Mal wieder so richtig quatschen statt Smileys hin- und herfeuern. Auch ein Geschenk auf dieser Reise.
Jetzt nur noch die Wäsche (hab nochmal alles in den Schleudergang gejagt) zusammenlegen und genießen.

