Tag 41: La fin

71 Kilometer: Saint-Jean-Pied-de-Port – Tolosa – Bayonne – Anglet – Bayonne

Mein Morgenlook – irgendetwas zwischen Vogelscheuche und Horrorzombie. Habe die Daunenjacke und die Hose in der Nacht gar nicht ausgezogen. Gute Entscheidung. War nämlich wieder recht frisch – meiner Nasenspitze nach zu urteilen.

Auch wenn sich heute unsere Wege trennen, ist das Herz noch locker und leicht. Juliane hat zum Glück keine Schmerzen und die Sonne fährt ihre Strahlen aus – bis zu unserer Frühstücksbank. Freiburg, Alltag, eigenes Bett – noch weit, weit weg. Einfach Müsli runterknuspern und losfahren. Juliane nimmt verletzungsbedingt einen Zug nach Bayonne, Ann-Sophie und ich hängen mal wieder aufm Asphalt ab. Schlussetappe heute! Schon? Bin doch gerade eben erst aus der Hansjakobstraße rausgefahren und nach links abgebogen.

Die Route ist knackig. Steil rauf, steil runter. Enge Kurven, in denen Schwung holen unmöglich ist. Jeder Anstieg wie ein Nadelstich in die Beinmuckis. Wir jammern bisschen und kratzen alle Essensreste zusammen.

Von Sattel zu Sattel lassen wir die letzten Wochen Revue passieren. Worin wir uns einig sind: Das waren ganz schön viele Kilometer und Höhenmeter. Genussradeln und Chill-Time hatten wir uns vorgenommen. Auch, dass wir bisschen mehr Style in unser Outfit bringen. Mit der Radwurst als Dauer-Downer gar nicht so einfach. Und was das Pensum anbelangt: Wir sind fahrradverrückt und tourenverliebt. Bremsen uns nicht, sondern geben einander Aufwind. Und schwups, rauschen die Kilometer vorbei.

In Gang 4 von 5 brettern wir zum Beach. Wenn man die Pyrenäen überquert, ist der Atlantik so etwas wie der sinnliche Beweis dafür: Ja, wir müssen am Ziel sein. Die Berge haben sich verflüssigt. Wir haben es geschafft.

Schnell in die Wellen, schnell zurück in die Pedale. Mein Zug in Bayonne fährt um 17:35 Uhr ab. Jetzt ist der Frohsinn dahin. Bayonne sprudelt vor Leben. Kleine Läden, volle Cafés, Straßenkünstler. Wir haben viele Städte gesehen. Hier sind definitiv gute Vibes. Und ich haue ab. Juliane und Ann-Sophie gönnen sich eine Superior-Suite und ich versauere in der Regio-Bahn. Doof, einfach doof. Der Klecks Farbe in dem Ganzen: Juliane schafft es noch pünktlich aufs Gleis zum Tschü sagen. Ihr Zug ist ausgefallen. Der Ersatzbus sollte eigentlich kurz nach meiner Abfahrt eintreffen. Aber die zupackende Busfahrerin, die wohl auch einen Baumstamm von der Fahrbahn gezogen hat, drückt aufs Gaspedal und liefert Juliane früher ab. Freude! Umarmungen! Tropfen auf der Backe. Das tut weh. Was hilft: Kuchen und die Stimme meines Freundes. Höre mir im Zug alte Sprachnachrichten an. Bin aber trotzdem noch traurig. Ah, da vibriert mein Handy. Nachricht von meinem Kumpel in Paris. Er teilt mir mit, dass die Metrotickets teurer geworden sind. Süß. Morgen sehen wir uns wieder. Eine Nacht in Bordeaux, dann morgen weiter nach Paris. Gar nicht mal so schlechte Aussichten.

Hinterlasse einen Kommentar