82 Kilometer, 1.300 Höhenmeter: Cantaous – Lourdes – Camping Gerrit Arrens Marsous
Zitronenmelisse, Brennessel, Heuballen – von der einen zur anderen Duftwolke. Eine feine Auslese für unsere eingefetteten Nasen. Oben Genuss, unten wird geackert. Es geht rauf und runter. Unsere Beine werden mal wieder gefordert. Jede einzelne Schweißpore sagt mal: Juten Tach!


Nebelschwaden in den Gipfeln der Pyrenäen. Muskulöse Kühe. Ein pummeliger Landwirt auf einem Quad. Wir sind in Grün-Irgendwas – bis zum Ortsschild Lourdes. Dort gibt es wichtige Aufträge zu erfüllen, Kerzen anzünden zum Beispiel.
Die Innenstadt ist gruselig. Fast nur Läden mit Mutter Gottes-Trash. Plastik-Skulpturen, leere Wasserkanister to go (für das Lourdes-Wasser) und Frittenbuden. Wo sind wir hier denn gelandet? Wir folgen den Schildern La Grotte und landen vor der Rosenkranz-Basilika, ganz in der Nähe der Marienerscheinung. Sieht aus wie Disneyland, nur hat jemand die Farb-Sättigung runtergedreht.

Wir wollen mit den Rädern vorfahren, werden aber direkt zurückgepfiffen. Keine Räder, keine großen Taschen. Handys in den Flugmodus. Aha.
Erst latschen wir in die Kirche, aber falsch. Wir wollen doch zur Grotte. Auf dem Weg dorthin statten wir uns mit Kerzen aus. Das Einsteigermodell liegt bei 3,50 Euro. Ann-Sophie kann sogar per Karte bezahlen. Modern times.

Weil die Schlange vor der Grotte zu lang ist, beschleunigen wir das Ganze und gehen direkt zur Kerzen-Station. Dort flackert es schon wild. Wer noch keine Kerze hat, hat jetzt nochmal eine Chance. Die Wachs-Baumstämme für 500 Euro sind leider ausverkauft. Aber für 270 Euro geht noch was. Alles ziemlich absurd. Auch als das Wachs-Wegkratz-Team mit einem Pritschenwagen anbraust. Oh, endlich ein bisschen Normalität, denke ich und halt die Kamera drauf. Die Chefkratzerin findet das gar nicht gut und raunst uns an, dass sich das nicht gehöre. Upsi!





Lourdes, Mariengrotte. Flat-Screens, Menschenhorden, Kanister mit Weihwasser. Kein Ort für uns. Die Fluchtinstinkte setzen ein. Bevor wir unsere treuen Rad-Gefährten wieder in den Händen halten, schlürfen wir noch ein bisschen Heilwasser und lassen auch noch Wasser dort. Unsere nächste Station heißt Lidl, mehr Erfüllung für uns. Auch, weil wir total hungrig sind. Wir decken uns ein und strampeln die letzten 400 Höhenmeter runter. Vor zwei Bergpässen schlagen wir unser Nachtlager auf. Die Campingplatz-Betreiberin ist sehr herzlich und die Dusche hat Wumms. Halleluja!
