75 Kilometer: Sainte Croix Volvestre – Saint Gaudens – Cantaous

Die Radhose atmet wieder frische Luft. Au revoir, Gastschwesterchen. We hit the road again.
Die Sonne radelt mit, nicht mehr so bolleheiß, sondern angenehm wärmend. Dörfchen, Brücken, Sonnenblumenfelder. Die Strecke entlang der Pyrenäen lässt uns viel Luft zum Sabbeln. Und nicht nur das, nebenbei machen wir auch noch Opas glücklich. Ein bedröppelter, älterer Herr mit hängenden Schultern taucht plötzlich auf. Seine Kette hat sich in der Kurbel verhakt. Ann-Sophie und ich ruckeln an der Kette rum und ziehen kräftig. Und siehe da, auch seine Tour kann weitergehen. Merci, merci, merci – der Opa kann es gar nicht fassen und sagt, dass es ihm wegen meiner ölverschmierten Hände und vor allem Fingernägel so Leid tue. Süß! Ach, pas de probleme. Weiter geht’s.
Die nächste gute Tat folgt nur ein paar Stunden später in der Mittagspause in Saint Gaudens. Jetzt brauche ich Hilfe. Mein Fahrradständer hat eine Schraube locker. Ein Teil der Schraube ist sogar schon abgebrochen. Einfach zu schwer die ganze Last.
Im Radladen Vélo Oxygen (mag ich den Namen) gibt es Ersatzteile. Der Besitzer in blauer Schürze fummelt in seinen Schraubenkästchen und findet das passende Stück. Er kniet vor meinem Radel und macht den wackeligen Ständer wieder bombenfest. Voll gut!
Ich zücke mein Portemonnaie. Was ich ihm schulde? Kein Geld. Stattdessen soll ich in der Lourdes-Grotte (dort, wo die Mutter Gottes mehrfach erschienen sein soll) eine Kerze für ihn anzünden. Das ist mal eine Bezahlung. Ich verspreche es ihm per Handschlag. Morgen kommen wir an Lourdes vorbei. Das hatten wir ihm beim Schraubensuchen beiläufig erzählt.
Mit diesem Auftrag im Gepäck rollen wir zu unserem Airbnb. Komfort auf 20 Quadratmetern. Die Dusche hat fast zehn Düsen, es gibt eine Spülmaschine für unsere ekeligen Trinkflaschen und ein Gefrierfach. Dort lagert ein Pott Eiscreme ausm Lidl. Salat, Filmabend, Wohlsein!

