Tag 33: Guter Pass

58 Kilometer, 1.020 Höhenmeter: Quérigut – Ax les Thermes – Ornolac-Ussat-les-Bains

Finde Ann-Sophie!

Bravo! Allez! Courage! Die Rennradfahrer neben uns – meist ältere Semester mit flatternden Radjacken – feuern uns an. Die Worte tun gut, sie sind kleine, verbale Energieriegel. Die Route öffnet mal wieder ungeahnte Schweißporen. Nochmal 900 Höhenmeter, verteilt auf 10 Kilometer (!). So viele Haarnadelkurven. Geschwungener Teer in endlosen Bahnen. Sieht von oben vielleicht wie eine abgewickelte Kabeltrommel aus.

100 Höhenmeter, nochmal 100. Zahlen, Schweiß, glühende Wangen. Wir lauschen einem Podcast. Geht um die Mafia in Mannheim. Fokus auf die Story statt auf die Anstrengung. Das hilft total. Mit den Gangstern den Berg hoch. Bis zum Pass de Pailheres. Zweitausendundeinen Meter über dem Meer! Was für eine Höhe! Premiere für meinen Drahtesel und mich, wir waren dem Himmel noch nie so nah zusammen. Das geht auch Ann-Sophie mit ihrem Gespann so. Darauf ein High Five!

Danach holen wir uns die Belohnung ab. Runterbrettern! Die Knöpfe der Leinenbluse halten. Da strömt so viel Sauerstoff ins Gesicht und in die Lungen. Volle Packung Leben.

Im nächst größeren Ort wollen wir mal wieder Cappuccino und Ladde trinken. Aber die Ansammlung von Beton und Steinen ist überhaupt nicht einladend. Ein klassischer Wintersport-Spott, der im Sommer so gar keinen Charme hat. Dann eben Shopping im Mini-Supermarkt. Baguette, Thunfisch aus der Dose, Bohnen aus dem Glas. Joa. Gibt Leckereres.

Die Straße zum Campingplatz ist langweilig und viel befahren. Kein Genussradeln mehr, sondern nur noch ankommen. Bis zum nächsten Supermarkt sind‘s fünf Extra-Kilometer. Kein Bock, die Luft ist raus. Wir verputzen alle Reste (China-Suppe, Nudeln, Avocado, zwei Wraps) und tauchen in der Ariège unter. Und das rüttelt auch die Lebensfreuden-Geister wieder wach.

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