Tag 26: Pulle Rotwein im Gepäck

65 Kilometer: Château Coujan-Capestang-Domaine de Mingraut (Fontcouverte)

Auf dem Weg zur Toilette, schon ein Geschenk entdeckt: zwei Joghurtbecher auf meinem Gepäckträger. Hat uns Muriel spendiert, die Lady, die das Weingut ihrer Freundin hütet. Der gestrige Abend dröhnt noch im Kopf. Zwei Flaschen Rosé für drei Seelen. Kurzum: Ann-Sophie und ich waren knülle. Trinken ja nur Leitungswasser – all day long.

Gegen Mitternacht hat uns Muriel noch durchs 300 Jahre alte Schloss geführt. Eine Zeitreise. Stofftapete an den Wänden, Portraits der Vorfahren, edle Standuhren. Ça reste entre nous (das bleibt unter uns), sollen wir Muriel versichern. Bien sûr. Die Frau holt dann noch drei Magnum raus. Wir sind selig.

Die Gastfreundschaft steht mit dem Sonnenaufgang wieder auf. Ob wir nochmal in den Pool wollen? Oder duschen? Tee oder lieber Kaffee? Wir bleiben bei unseren Haferflocken. Der Joghurt dazu ist schon Highlight genug. Denn normalerweise rühren wir uns aus Hafermilchpulver und Wasser eine Milch an.

Die Uhr schlägt 11 Uhr und wir sagen au revoir zu Muriel. Es gibt nochmal Geschenke: zwei wunderschöne Pfauen-Federn und eine Flasche Rotwein. Total nett, aber auch total unpraktisch auf dem Rad. Wir rollen aus dem Hof und winken noch lange. Irgendwann gibt es ein Wiedersehen…

65 Kilometer stehen heute auf dem Menü. 25 bis zur Mittagspause, 40 bis zum Ziel. Die Nachmittagsetappe fühlt sich an wie die Qualifikation zum Iron Man. Wir kämpfen wie Löwinnen. Die Sonne brutzelt so. Besonders auf den Wangen und auf den Füßen. Kleine Lichtblicke: die kurze Passage entlang des Canal du Midi.

Bei der ganzen Sonneneinstrahlung schmilzt irgendwann auch der Verstand, denke ich so bei der nächsten Begegnung. Bei einer kurzen Rast lernen wir einen Hundebesitzer kennen. Er hat einen Schäferhund am Start und einen… Wolf! Ja, wirklich. Einen zweijährigen Wolf, der ultra sabbert. Das kommt vom Autofahren, sagt Herrchen. Seit wann fahren Wölfe Auto? Ist das denn überhaupt legal, einen Wolf zu halten, frage ich? Oui oui, kein Problem, wenn das Tier kastriert sei. Puh, ist das alles crazy hier. Wir machen uns aus dem Staub.

This is Varq!

Mit der letzten Energie trudeln wir wieder bei einem Weingut ein. Dusche und Toilette können wir mitbenutzen und einfach geben, was wir wollen. Die Winzer laden uns zu einer Weinprobe ein. Nur riechen ginge auch, sagt der Gastgeber. Non, merci. Bei uns ist der Ofen leider aus, aus, aus.

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