Tag 25: Endorphine kurbeln

76 Kilometer: Montpellier-Pézenas-Château Coujan

Ann-Sophie und ich sind back on track. Okzitanisches Hinterland statt Strandmeile. Schon 20 Kilometer geradelt und keinen einzigen Postkartenständer gesehen. Strike. Weg von den bizarren Touri-Beton-Pötten hin zu Dörfern mit echter Patina. Und mit nur einem schlagenden Herz auf der Straße, und zwar das einer getigerten Katze.

Radeln, einfach nur radeln. Bei den Abfahrten zerfetzt es beinahe die Leinenbluse. Mon dieu, macht das Spaß.

Läuft!

Mittags landen wir in einem malerischen Dörfchen namens Pézenas! Auf den Stufen der Kirche löffeln wir im Schatten unsere Fertigsalate. Kleine Läden, viel Leben. In einer Boutique werden wir schwach. Trotz Panade (Sonnencreme) auf der Haut und klebrigen Fingern (Orangen) steigen wir in die Kabine und verlieben uns Hals über Kopf in zwei Röcke. Gesehen, gekauft.

Die nächsten Kilometer sind kein Zuckerschlecken. Die Sonne im Westen, mitten in der Fresse. Gegenwind. Noch 20 Kilometer. Jetzt wird es Zeit für Deichkind. Krawall und Remmidemmi. Mein Algorithmus landet irgendwann bei Edith Piaf „Je ne regrette rien“. Das passt wie die Faust aufs Auge. Der Weg ist nur noch eine Schotterpiste. Aber auch dieser wird sich lohnen…

Wir erreichen ein altes Château (Weingut), das wir bei der App Park4Night gefunden haben. Eine ältere Dame mit zwei Hunden empfängt uns – gar nicht begeistert. Wir hätten anrufen sollen. Ohje. Nichtsdestotrotz führt sie uns zu den Olivenfeldern. Da können wir unser Zelt aufschlagen. Voll gut.

Wenig später kommt sie zurück. Sie sagt, wir dürfen den Pool der Ferienwohnung mitnutzen. Wow, was für ein Glück. Gebadet und noch mit Handtuch-Turban auf dem Kopf sehen wir die Dame wenig später wieder. Wir sollen unser Essen mitnehmen und auf die Veranda kommen. Das Kuriose: Überall spazieren Pfaue herum. Wo sind wir hier? Märchenland? Oui! Die Dame namens Muriel hütet das Château ihrer Freundin Florence und sie managt dann auch die Gästeströme. Kurzum, die Frau ist der Hammer.

Drei Gläser und eine Rosé-Flasche stehen für uns schon bereit. Während ich diese Zeilen tippe, sind schon zwei Bouteilles vernichtet. Wir reden über Zufälle, schöne Begegnungen und Politik. Die Pfaue kreischen pünktlich zum Sonnenuntergang und wer hätte heute morgen ahnen können, wohin uns die Strampelei führen wird. Zu einem Abend, der auf unserer Festplatte eingraviert bleibt.

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