Tag 22: Flamin go go go!

91 Kilometer: Sainte-Croix-Port Saint Louis du Rhône-Saintes Maries de la Mer-Pioch Badet

Nicht die ersten, aber die zweiten, dritten Fußspuren morgens in den Sand zu drücken – ist wie eine Pralinenschachtel zu öffnen.

Die Wellen sind ganz schüchtern. Nur zwei Köpfe im Wasser. Der Campingplatz schläft noch.

Ann-Sophie und ich wollen heute früh los. Geplant war 8:30 Uhr. Mit Rumrödeln, Einfetten und Abwaschen verspäten wir uns um eine Stunde. Die Sonne böllert zum Glück noch nicht. Wir steuern zuerst eine Apotheke an. Ich brauche Zugsalbe, sagt Ärztin Ann-Sophie. Das Problem: Seit gestern habe ich ein Pickelchen an einer ungünstigen Stelle, wenn man gerade viel Rad fährt. Kopfkino!! Nichts Schlimmes, aber wegen der Belastung besteht Handlungsbedarf. Wir besorgen die Cremes und rollen weiter. Neben der Straße Olivenbäume und Weinreben-Welpen, später riesige Öltanks, Raffinerien und Speditionen. Industriegebiet in allen Poren. Richtig hässlich. Da erscheint der Netto-Markt wie eine Oase. Eine gekühlte. Wir streifen durch die Regale.

Mein Mittagessen sieht aus wie Katzenfutter, vielleicht ist es das auch. Bei Ann-Sophie werden sogar Tomaten- und Gurkenscheiben mit Kräutern gewürzt. Da muss ich nachlegen 🙂

Es ist sooo unendlich heiß. Weiterfahren ist total bescheuert, aber hier können wir nicht bleiben. Der nächste, sympathische Campingplatz ist 40 Kilometer entfernt (aufm Tacho sind schon 45!). Keine Gnade für die Wade – und den Po! Das Gute: Jetzt tauchen wir in die Camargue ein. Schilf, größer als Basketballer, um uns herum. Viele Flüsschen, Reisfelder, sogar Salzseen. Und rosa Flamingos, mit Kopp im Wasser. Wow! Naturpark statt route nationale. Endlich. Nur zu wenig Wolken.

Richtig gar in der Birne erreichen wir den Intermarché kurz vorm Ziel. Die Basics – Essen jagen – funktionieren noch. Völlig verdreckt und klebrig kommen wir bei Camping à la ferme an. Ein Opa im Golfcar holt uns an der Schranke ab. Sein Blick ist ernst. Alles voll, meint er. Oh Gott! Nee, war nur ein Joke. Mit seinem Gefährt eskortiert er uns zum Platz. Eine große Wiese, nix Parzelle. Das gefällt uns sehr. Die Preise sind auch fair: neun Euro pro Nase pro Nacht. Und Mückenstiche gibt’s gratis dazu.

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