Tag 21: Willkommensplatten

38 Kilometer: Marseille-Sainte Croix

Damit hätte ich nicht gerechnet: Ich radel ein paar Kilometer durch Marseille. Krawumm. Mein Zelt küsst die Straße. Und der Gummispanner? Keine Ahnung, einfach pfutsch. Ok, keine Panik. Erstmal eine Luftpumpe organisieren.

Viele Bike-Läden sind schon in Sommerpause. Aber bei ZZ Velo Vintage stehen die Türen offen. Ein netter Typ schießt mir jeweils ein zusätzliches Bar in die Reifen. Gummispanner hat er leider nicht, aber er schenkt mir einen alten Fahrradschlauch. Neuer Lifehack! Das Drumwickeln klappt voll gut. Das Zelt hält. Würde gerne mehr in die Kaffeekasse werfen, habe aber nur noch 70 Cent. Etwas peinlich berührt schiebe ich die Münzen über die Ladentheke und mache mich vom Acker.

In einer der wilderen Straßen von Marseille habe ich ein Restaurant entdeckt, das gegrillten Fisch serviert. Etwas ganz Feines, was die Camping-Küche nicht so richtig bieten kann. Bei drei älteren Herren ist noch ein Platz frei. Der Oberkellner stürmt zu unserem Tisch. Das ginge doch nicht, er weise die Plätze an. Tralala. Die drei Opas zischen irgendetwas auf Arabisch zurück, verdrehen die Augen und sagen mir, dass ich nun zu ihnen gehöre. Einladung zum Essen inklusive. So nett, meine faltigen Bodyguards. Einer der Männer erzählt mir, dass er oft in Dortmund sei und in der „großen Industrie“ arbeiten würde. Das wiederholt er noch dreimal. Wenn ich etwas bräuchte, soll ich mich melden. Egal was. So spontan fällt mir gar nichts ein. Weiß auch gar nicht, an was für ein Material er denkt. Stahlträger, Betonmischer, Dachkonstruktionen? Gerade keinen Bedarf.

Dorade deluxe!

Mit dem Fisch auf dem Grund meines Magens rolle ich zu Aldi (!). Tatsächlich, in Marseille gibt es einen Aldi, sogar Aldi Nord. Verkehrte Welt. Tomaten, Gurken, eine Avocado und Kartoffeln rattern auf dem Fließband zum Kassierer. Lecker Abendessen für Ann-Sophie und mich. Apropos 15:04 Uhr. Magische Uhrzeit. Eigentlich. Aber kleiner Trost, auch die französischen Züge haben Verspätungen. Wegen der Hitze hat offenbar irgendeine Leitung den Geist aufgegeben. So die Durchsage. Wenn auch 40 Minuten später, aber Ann-Sophie ist daaa, genau an dem Gleis, an dem ich mich von Micha verabschieden musste. Das ist Traumabewältigung 🙂

Wir ölen uns ein, streifen die Polsterhosen drüber und starten in die gemeinsame Tour. Die Route schickt uns durch das Hafengebiet von Marseille. Total fahrradfeindlich. Nur nicht sterben hier. Staubige 40-Tonner brausen an uns vorbei. Überall Autobahnauffahrten. Die Straße, ein einziges Scherbenmeer. Nach rund 15 Kilometern haben wir es geschafft. Fast! Die nächsten Challenges: müffelnde Ziegen auf der Fahrbahn und ein platter Hinterreifen. Ann-Sophie hat es direkt erwischt. Kein schöner Schachzug von den Bike-Göttern da oben. Aber wisst ihr was, das ärgert uns kein bisschen!

Mit jeden Kilometer verblasst die Großstadt. Zum Glück. Es duftet nach Pinien und frischem Fisch. Kleine Buchten, warmes Licht. Um 20 Uhr trudeln wir erst bei einem der Campingplätze an der Küste ein. Alle drei anderen sind schon belegt. Sind wohl voll im Touri-Hotspot gelandet. Nicht schlimm. Hauptsache, duschen können!

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