Tag 20: Klarschiffen

Cassis-Saint-Cyr-sur-mer hin und zurück mit dem Zug

Die Zeit im Wartezimmer ist fast vorbei, morgen geht die Tour weiter. Große Vorfreude. Wie früher auf das Christkind an Heiligabend.

Nach dem Aufwachen sammel ich erstmal Futter für die Waschmaschine zusammen. Vom Helm-Polster über die Kulturtasche bis hin zu den speckigen Leinenblusen. Nix bleibt verschont. Auch mein Zelt würde ich gerne waschen. Staub, Sand und Dreck wegspülen. Ich beobachte wie andere Camper mit ihren Womos über einem Gulli parken und ihre Wassertanks mittels Regenschlauch befüllen. Da muss ich hin. Kurzerhand trage ich mein Zelt rüber. Die ersten Tropfen klatschen auf die Außenhaut. Doch dann Ende Gelände. Der Platz-Betreiber kommt aus dem Hinterhalt und sagt: verboten! Och nö. „Wir sind hier in Südfrankreich, wir müssen Wasser sparen.“ Verstehe ich ja, und zeige auf mein Zelt. „Das ist mein Wohnmobil. Das will ich nicht betanken, nur gaaanz kurz abspritzen – viel besser“. Nein, nix zu machen. Doof. Rückwärtsgang mit dem Zelt. Bisschen trotzig nehme ich dann einfach meine Trinkflasche als Schlauch. Damit wird’s nicht unbedingt besser. Kann es nicht mal wieder regnen? Blick in den Himmel. Wolken haben auch alle Urlaub.

Back to Klarschiff: Stirnlampe, Powerbank und Bluetooth-Box anschließen und die Radtaschen ausschütteln. Mit einem Stofffetzen die Kette ölen und alle Küchenutensilien durchputzen. Kann fast schon losgehen. Mir fehlen noch Bargeld, Luft in den Reifen und Proviant. Morgen! Heute Rendezvous mit Manon. Mit ihr habe ich in Paris studiert, den deutsch-französischen Journalistik-Master. Zuletzt haben wir uns vor eineinhalb Jahren in Marseille gesehen.

Wir verabreden uns am Meer. Haben Süßkrams und salzige Kekse dabei. Die Sonne senkt sich schon. Das Wasser ist lauwarm, 24 Grad. Wie eine Badewanne. Ich hüpfe direkt rein. Manon bleibt im Sand. Sie hat krankheitsbedingt eine schwere Zeit hinter sich und vielleicht auch noch vor sich. Sie erzählt viel. Ich lerne viele, neue medizinische Ausdrücke in dieser Postkartenkulisse. Im Sonnenschirmwald. Ihr Kollege stößt dazu, der Fan von der Stadt Oldenburg ist. Äh, ok 🙂 Neben uns schlürft eine Urlauberin Muscheln. Wir sprechen über Wildschweine, die gegen Zelte rennen und die Legalisierung von Gras in Deutschland. Das ganze Leben! Mit Sandkörnern gezuckert!

Saint-Cyr-sur-Mer

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