City-Tour durch Marseille
Meine Luftmatratze hat mindestens zwei Löcher. Zum Einschlafen reicht die Luft. Danach schleicht sie sich raus. Jeder Toilettengang endet in einer Mund-zu-Ventil-Beatmung. Flicken sind schon bestellt. Ann-Sophie bringt sie am Mittwoch mit. Trotz des ungewollten Tiefergelegtwerdens fühl ich mich recht erholt.
Ein Tag wie eine Leinwand. Kein Dienstplan, keine Kilometer, keine Termine. Doch einen, sich von May-Linh zu verabschieden. Wir tauschen Wangenküsschen und unsere Adressen aus. Auf der Rückseite ihrer Campinggebühren-Quittung kritzelt sie noch ihre Handynummer hin. Sie wohnt in Grenoble. Gar nicht so weit weg von Freiburg. Vielleicht sehen wir uns wieder. Auf jeden Fall werde ich diesen kleinen Fresszettel gut hüten – denn solche Begegnungen sind die Perlen an einer Perlenkette.
Ich telefoniere noch eine Stunde mit einer Freundin aus der Nähe von Kiel und steige in den Zug nach Marseille, zum Hotel Alex & Spa. An der Rezeption ordere ich keine Massage (warum eigentlich nicht?), sondern mein Frühstück. Über die App „Too good to go“ habe ich Buffetreste gekauft. Auf den Bildern: Rührei, O-Saft, Früchte. In der Realität sinds dann doch nur drei Kohlenhydrat-Haufen. Naja, für 2,99 Euro geht‘s. Zwei Croissants werden direkt verschlungen. Die Hälfte der restlichen Fracht schenke ich einer obdachlosen Frau.

In einem Supermarkt möchte eigentlich nur eine Tüte Weingummi holen, kann aber an diesem Spezialangebot nicht vorbeigehen: drei Kilo Gemüse mit Schönheitsfehlern für nur drei Euro. Kauf ich! Nur vom Packmaß etwas unpraktisch, auf meinem Streifzug durch die Stadt. Mal hängt mir die Gemüsekiste in den Speichen, mal vergesse ich sie beinahe in der Kabine eines Secondhandladen. Ja, war schon wieder stöbern. Hab mir aber nur eine Bluse zugelegt, die ist so leicht wie ne Feder.

Irgendwie schunkel ich mit dem ganzen Grünzeug zurück zum Campingplatz. Erstmal ne Kiste öffnen. Oh, wow, sogar Limetten dabei. Damit kann ich das Leitungswasser pimpen. Echtes Upgrade. Und Nektarinen. Auch kostbar und noch top in Schuss. Nur die Avocado ist kurz vorm Abnippeln. Schade, wollte eigentlich Guacamole zusammenpanschen. Na, dann gibt es eben nur Tomaten-Gurkensalat. Frühstück und Mittagessen morgen sind aber schon mal geritzt!
