Tag 18: Socializing vorm Klo

Wanderung zur Calanque de Port Pin

Wir hatten schon kurz in der Campingplatz-Kneipe geschnackt. Heute Morgen vor den Toiletten dann der nächste Plausch. Ob sie heute Abend mit mir ins Stadion gehen möchte, Frauenfußball, Deutschland gegen die USA. Yeah, frage ich sie. Non, merci, sagt May-Linh. Wandern und Schwimmen finde sie deutlich besser. Sie gehe auch gleich schon los, ob ich mit wolle. Ähm…. Das Teufelchen auf der Schulter so: Du hast gerade ein leckeres Croissant intus, es ist Sonntag, gemach gemach. Das Engelchen kontert: Hey, da ist ne nette Lady, los jetzt, komm in die Puschen.

Was soll ich sagen? Teufelchen hat verloren. Wir schlendern zur Haltestelle, aber alle Busse zeigen „Complet“ an. May-Linh fragt mich, ob wir trampen wollen? Ha, sofort! Nach einer Minute hält Davis aus der Schweiz an. Großer BMW-Schlitten. Aber der begeistert mich gar nicht so sehr. Vielmehr, dass wir so ein bunter Haufen sind. Seine Freundin Erin neben ihm kommt aus Irland. May-Linh ist Französin-Italienerin-Chinesin und ich streue noch bisschen Norddeutschland ein. Muss an mein Erasmus-Semester in Paris denken. Offene Grenzen, schon was Feines.

Zu viert tuckern wir zur letzten Parkmöglichkeit vor der Felsbucht Calanque de Port Pin. May-Linh hat eine klare Vorstellung, wo wir hinmüssen. Und ich genieße es sehr, wie ein Schaf hinterherzutrotten. Sie erzählt mir von ihrem Job als Heilpraktikerin und dass sie Rudolf Steiner verehrt, während sie am Lavendel herumfummelt. Irgendwie anders die Gute, aber in positiver Hinsicht.

Wir lassen das Pärchen allein und kraxeln durch den Nationalpark. Die Felsen unter unseren Füßen sind von den Touri-Latschen total glatt poliert. Attention! May-Linh fliegt zweimal hin, steht aber flux wieder auf. Die Aussichten sind die beste Medizin. Kann eine Wasserfarbe schöner sein?

Sie bleibt noch bisschen oben, ich brauche Abkühlung. In meinen Wanderschuhen, die endlich mal einen Einsatz haben, ist quasi Kernschmelze. Das Meer ist überraschend kalt. Wie schreibt man das nochmal? Gänsehaut? Tatsächlich! Meinen Unterarmen wachsen kleine Hügel. Wie gut das tut.

Wir labern noch bisschen, ehe ich genug von Sonne und menschlichen Plantscheentchen habe. Es ist 19 Uhr. Um 21 Uhr ist Anpfiff. Deutschland gegen USA, wieder Frauenfußball. Bin zerrissen. Hingehen oder aufm Smartphone schauen? Das Engelchen schaltet sich nochmal zu: Heute wurdest du schon genug beschenkt, mach mal piano.

Die Shopping-Schätze von gestern.

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