Cassis-Marseille (mit dem Zug)

Ich habe festgestellt, dass ich völlig „unterkonsumiert“ bin. War schon ewig nicht mehr shoppen. Das geht so nicht weiter. Immerhin bin ich an der Côte d‘Azur. Zwischen den Reichen und Schönen watschel ich mit meinen schwarzen Surfbrettern (Outdoor-Sandalen) und vergilbten Klamotten herum. Schweiß in Kombination mit Sonnencreme – da kann die Waschmaschine machen nix, äh.
Ich brauche frisches Textilblut und Flipflops. Ein Samstag in Marseille in einer klimatisierten Mall. Gute Location, um der UV-Strahlung zu entkommen. Alle Schaufenster lächeln mich an. Der Anprobier-Rausch setzt ein. Danach die Vernunft. Achja, die Radtaschen. Groß shoppen ist nicht. Schade schade schade. Wieder Konzentration aufs Wesentliche: Im Decathlon hole ich eine neue Gaskartusche für den Kocher und die lang ersehnten Flipflops. Endlich ne Alternative am Fuß.
Nächster Halt: in einer der ältesten Apotheke Marseilles. Gegründet 1815. Von Pierre Blaize. Auf der Suche nach Heilpflanzen hat er sein Herz in Marseille verloren. An eine junge Dame. Blaize blieb und eröffnete die Herboristerie – eine Mischung aus Apotheke und Naturheilkundezentrale. Der Laden wirkt direkt lebensverlängernd. Alte Schränke, viel Holz, generationgereiftes Wissen. Es gibt viele Cremes und Tees, aber auch lose Schätze. Zum Beispiel Lavendel aus der Provence. 100 Gramm bitte. Oui, Madame!


Im Haushaltswarengeschäft „Maison Empereur“ – geführt in sechster Generation (!) – lege ich mir zwei Baumwollsäckchen zu. Eines davon wird mein aufblasbares Kopfkissen parfümieren, das andere schicke ich auf Reise. Für eine liebe Freundin in Deutschland.



Kommen wir zum Höhepunkt des Tages: der Secondhandladen Humana im Herzen von Marseille. Die Klimaanlage ist ausgefallen. Shoppen ist wider aller menschlichen Überlebensinstinkte. Aber darum geht es jetzt nicht. Hier sind Kleider. Sehr viele. Und ich verlasse diesen Laden nicht ohne. Basta.
In der Kabine jette ich quasi in die Tropen. Die Haare kräuseln sich, die Klamotten kleben. Hab ich zugenommen? Jedes Outfit, eine Presswurst. Ein Kleid passt ziemlich gut und ich schaffe es sogar wieder raus. Bi- und Trizeps sind kurz vor dem allergischen Kleiderbügel-Schock.
Fast dehydriert und abgekämpft steige ich wieder auf den Drahtesel. Nur noch weg hier. Endstation Campingplatz!
Präsentation der Fundstücke morgen. Jetzt Hunger.