Mit dem Zug: Cassis-Marseille-mit Rad zum Stadion-zurück zum Bhf-Cassis
Wenn Amore nicht mehr in Grabbel-Reichweite ist, Rückbesinnung auf die alten Leidenschaften: zum Beispiel rund auf grün. Mit Zehntausenden. Im Kessel. Ball you need is love, Fuuußball!!! Das Stadion von Marseille ist die Kulisse für einige Frauenfußballspiele bei den Olympischen Spielen. Was für ein Geschenk! Anstoß 19 Uhr: Deutschland gegen Australien. Alles bumpert. Danke Juliane für diesen genialen Tipp!
Acht Stunden vorher und der Puls klettert schon die Leiter hoch. Nicht wegen des Duells, sondern wegen Baustellen in Freiburg. In meiner ersten eigenen Wohnung ist die Toilette verstopft. In der Badezimmerdecke wohnen Wespen und viele Leute wollen viel Geld von mir: der Notar, das Finanzamt, der Energieversorger und die Rundfunkgebührenzentrale. Achja, und ein Techniker von Vodafone muss auch noch kommen. Der Callcenter-Agent so: Könnten Sie bitte die Musik leiser drehen? Äh, ich bin gerade in Frankreich, in einem Supermarkt, mit einem Brokkoli und Zucchini aufm Arm, sorry.
Okay, war vielleicht nicht der schlauste Zeitpunkt, mehrere Wochen on tour zu sein. Aber warum sich solche Gedanken machen? Die Zwiebeln zittern im Olivenöl, der Couscous gart in der Sonne und die Parzellen-Nachbarin schenkt mir einen Liegestuhl. Irgendwie läuft der Laden.

Trotz Gemüse-Überdosis spüre ich es, dieses Vorfreude-Kribbeln hinterm Bauchnabel. Endlich wieder Fußball. Die EM war viel zu schnell vorbei – aus deutscher Sicht. Los jetzt, Mädels! Allez Schwarzrotgold! Apropos Farben. Mein Outfit heut: der totale Fail. Alle Leute labern mich auf Englisch an. Ohje. Gelb ist doch eine der Nationalfarben Australiens. Ich Eumel. Hatte ich null auf der Kette.



Wie auch immer. Das Stadion ist ne Wucht. Das zweitgrößte Frankreichs. 67.000 Fans passen rein. Ursprünglich war das Spielfeld von einer Radrennbahn umgeben, daher die Formen. Bin vollkommen geflasht! Und diese Akustik – vom Feinsten! „Sweet Caroline“ schmettert aus den Boxen. Irgendeine wilde, australische Omma schmettert zurück. Das wird ne große Party.
Ein Ticket zu ergattern, war ein Leichtes. 40 Euro in der Kategorie C. Das Stadion ist weit entfernt von halb gefüllt. Das ist aber gar nicht schlimm. Hocke in einem australischen Nest. „Go Aussie“ in der Dauerschleife. Immer wieder kriecht Meeresluft in die Nase. Und das Spiel? Auch gut. Sind viele ehemalige SC Freiburg-Frauen auf dem Rasen: Gwinn, Bühl, Minge. Heimatgefühle! Aber beste Spielerin für mich: Hegering, Verteidigerin. Stabil hinten, pusht nach vorne, kluge Pässe in die Tiefe und dazu noch kopfballstark.
Könnte Stunden hier bleiben. Es gibt Popcorn und u.a. alkoholfreies Bier. Der Stadionsprecher bricht sich mit den deutschen Namen total einen ab. Schlonzschmidtgrunz. Macht einfach Spaß und dazu noch drei Buden für Allemagne. Und das Beste: Das Rad wurde sogar vorm Stadion nicht geklaut.