Tag 12: Daaa!

33 Kilometer: Cabriès-Marseille-mit dem Zug nach Saint Cyr sur mer-Camping Le Clos Sainte-Thérèse

Wenn schon Unterkunft, dann alles nutzen. Gab zum Beispiel acht Wattestäbchen, jetzt nicht mehr. Oh, da liegen noch Abschmink-Pads rum. Perfekt, damit kann ich meine Zahnräder sauber machen. Sehen im Mülleimer wie Mascara-Reste aus. Auch die Kleenex-Packung wird geplündert – falls das Klopapier wieder knapp werden sollte. Wir sind wahre Airbnb-Schrecks. Kommen miefend an und ziehen mit vollen Taschen wieder ab. Wohin eigentlich? Nach Marseille natürlich. Noch 20 Kilometer und paar Krümel. Französisches Großstadtchaos par excellence. Drölf Millionen Schlaglöcher. Einbahnstraßen aus dem Nix. Radwege enden in Zementblöcken. Heiliger Bimbam. Was für ein Ritt. Mit Bauchkribbeln. Denn immer wieder glitzert das Meer durch die Häuserschluchten. Wirklich schon da? Ouiiii! Noch bisschen geradeaus und dann Ende. Wellen, Leuchtturm, Blau auf Blau. Angekommen. Nach mehr als 700 Kilometern in der Lunge und in den Schenkeln. Krass.

Micha zum ersten Mal am Mittelmeer

Marseille ist ein wildes Tier. Faszinierend und abschreckend. Mit unseren Eseln schieben wir durch enge Gassen. Handys, Fische, Strandtaschen. Gibt alles zu kaufen.

Dazwischen Lieferwagen, Leute auf Rollern, hibbelige Touris. Und immer wieder eine Note Chanel d’Urin in der Nase. Micha so: „Dagegen ist Düren ja eine Blumenwiese“. Wir müssen das alles erstmal verdauen und hocken uns in einen syrischen Imbiss. Kann gar nicht aussprechen, was wir da bestellt haben. Aber schmeckt sehr fein.

Wir entscheiden: Wir wollen eine Oase für unsere letzten, gemeinsamen zwei Tage. Aber nicht in Marseille. Mit dem Zug tuckern wir ins rund 35 Kilometer entfernte Saint-Cyr-sur-mer. Decken uns im Supermarkt mit viel Zeugs ein und geben uns nochmal 150 Höhenmeter bis zum Campingplatz. Vier Sterne. 100 Euro für zwei Nächte. Ganz schön Wucher. Aber egal. Nehmen wir.

Der Camping-Typ kutschiert uns mit einem Golfcaddy zum Platz. Muss so lachen. Weil das so bescheuert ist. Von 9:30 Uhr bis 10:30 Uhr ist übrigens Aqua-Gym. Oha.

In unserem neuen Quartier schmeißen wir sofort die Waschmaschine an (für 7,80 Euro) und improvisieren eine Wäscheleine herbei. Micha hat einen Fertig-Burger gekauft. Mangels Mikrowelle wird das Teil eben in der Sonne gekocht. Funktioniert einigermaßen.

Nach Wasserschlachten und Quatsch im Pool, gemütliches Schnibbeln auf Plastikstühlen. Futtern gefüllte Wraps mit Hummus. Über uns: das lautstarke Zirpen der Grillen. Warum machen die das nochmal? Achja, alles für die Balz. Insekten-Parchip quasi. Ob in der Nacht wohl weitergeflirtet wird? Hmm…

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