94 Kilometer: Varces-Allières-et-Risset-Col de la Haute Croix-La Bâtie-Montsaléon

Morgens halb 10 in der Region Auvergne-Rhône-Alpes: Wir sind klitschnass. Schweißengel statt Schneeengel. Tausendvierhundertneunzig Höhenmeter wollen wir heute wegbürsten. Die Tour de France-Leute? Alles Pussies (was natürlich nicht stimmt). Denn wir fahren mit unserem Bett, Kleiderschrank, Badezimmer und unserer Küche durch die Gegend. Nix Rennrad, sondern Stahlgerüst. Zum Glück sind uns die Himmelsgötter wohlgesonnen. Unter ihren Füßen eine dichte Daunendecke. Erst gegen späteren Mittag kämpft sich die Sonne durch.
Manche Autofahrer rufen uns „Courage“ zu. Das pusht. Auch die unzähligen Müsliriegel. Die Orangina. Der Käse, der Coleslaw-Salat und die Thunfisch-Dose. Der Kessel muss brennen. Micha gönnt sich noch einen ausgebiegenen Honig-Shot, ich snacke M&Ms in einer der Serpentinen. Gegen Nachmittag erreichen wir endlich the top of the mountains alias le Col de la Haute Croix. 1.200 Meter über dem Meer. Gestartet waren wir bei 260 Metern. Dazwischen: hügelig!

Michas Po will nicht mehr und einen Satz neuer Beine könnte ich auch vertragen. Trotz Verschleiß-Erscheinungen geben wir uns noch 37 Kilometer, mit 30km/h Durchschnittstempo. Es geht so fein bergab und die Landschaft umarmt uns. Bizarre, runde, zugewachsene Felsen. Wir sind HansguckindieLufts. Halten an, holen das speckige Handy hervor und staunen wie Kinder.


Mit den letzten Schwüngen lassen wir uns zu Melissa rollen. Bei ihren Eltern im Garten bietet sie lässiges Camping an. Wir sollen geben, was wir wollen. Mag ich total als Konzept. Beim Ankommen fällt erst Michas Rad um, dann der Reiter selbst. Und damit ist für heute alles gesagt… 🙂
