
70,3 Kilometer: Freiburg-Neuenburg-Irgendwo bei Istein am Rhein
Der Tag aller Tage: Da ist er! Auf den Sattel, Abfahrt, Karachooo! Ganz so dynamisch war unser Start dann doch nicht. Wir mussten erstmal Tatortreiniger spielen: Krümel vom gestrigen Abschiedchen wegsaugen, die geplatzten Bierflaschen aus der Tiefkühltruhe herausfischen und die Kühlschrankreste wegmampfen. Wirre Mische im Bauch. Spiegeleier treffen auf fünf Eszett-Platten, vegane Leberwurst, Käsescheiben, Radieschen und labbrige Pizzaschnecken. Und der Margarine-Haufen muss auch noch weg. Keine leichte Aufgabe, aber wir schaffen es. Dann Rollos runter, Sicherungen raus, Haustür zu. Shit, 15 Uhr schon. Egal! Wir radeln los. Bei einer Tanke zischen wir uns jeweils fünf Bar in die Reifen. Sollte für den Anfang reichen.
Die Beine strampeln, aber der Kopf hängt noch im Büro. Schilder und Kilometer ziehen an uns vorbei. Mit jedem Kurbelschwung verblast der Stress der letzten Wochen und das Abenteuer-Gefühl fließt ins Blut. Und die Freude über: das dumpfe Platzen, wenn man über Kirschkerne rollt, das Hochschauen zur Kirchturmuhr, wenn man die Uhrzeit wissen will und eine Portion Riesen-Spaghetti-Eis nach den ersten 40 Kilometer. War meinem Freund sehr wichtig.

Letzte Chance auf Vanilleeis mit Erdbeersoße und weißer Schokolade. So etwas kredenzen die Franzosen nicht. Daher nochmal mitnehmen! Solange wir noch in Deutschland sind. Morgen ruft Frankreich. Und heute ruft der Rhein!
