
This is the end: die letzten Stunden in Tiflis. Und als Krönung noch mit den Bullen angelegt. Oli und ich sind über eine vierspurige Straße geflitzt. Zu Fuß! Hochgradig kriminell!! Das muss bestraft werden. Dachte sich wohl der Polizist, der uns inflagranti erwischt und alles mit Bodycam dokumentiert hat. „Passports“ (!!!) raunzt die schmallippige Uniform. Wir, total perplexe Schäfchen und natürlich Verbrecher, rücken unsere Chipkarten raus und warten. Der Bulle verschwindet im Wagen. Tippt was ein. Mein Herz beginnt, in einen Techno-Beat überzugehen. Passiert immer, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Ich hole zum Gegenangriff aus. Photographiere das Kennzeichen des Polizeiautos. Will den Namen meines Gegenübers wissen. Diskutiere. Gestikuliere! Woher sollen wir denn auch wissen, dass man die Unterführung nehmen soll? Nix Schilder! Der Strafzettel: einfach nur absurd, kleinkariert und absolut ungerechtfertigt. Bußgeld nur 10 Lari, also etwas mehr als drei Euro. Aber es geht hier ums Prinzip! Im Stechschritt heizen wir zur nächsten Polizeiwache. Immer wieder überraschend, wieviel Kilojoule Energie durch Wut entfacht werden. Zisch!
Bei der Polizeistation gibt es zum Glück einen englischsprachigen Officer. Ich lasse diplomatisch Dampf ab und beschwere mich über den Kollegen. Der Strafzettel – mit Olis Daten – bleibt. Wenn wir ihn ignorieren, könnte es beim nächsten Mal Probleme bei der Einreise geben, erklärt uns der sehr bemühte, nette Polizist. Was??? Das wird ja immer schräger hier. Wir sollten ihn also begleichen. Das geht nur bei einer Bank. Wir dackeln zu einem Schalter. Die Dame schickt uns wieder weg, weil Polizist Nummer 1 den Strafzettel nicht korrekt ausgefüllt hat. Unser Fall taucht nicht im System auf. Was ist hier gerade los? Versteckte Kamera? Verschwörung auf allen Ebenen?

Wir beschließen, die Geschichte in eine hintere Schublade unseres Kopfes zu räumen und das Hier und Jetzt zu genießen. Gar nicht so einfach. Aber auf dem großen Bazar klappt’s. Schweineköpfe, Kartoffelsäcke und Thymianbüschel lenken uns schön ab. Wir schlendern also von Stand zu Stand und treffen im Getümmel unseren englischsprachigen Good Cop wieder. So ein Zufall. Er begleitet uns zu einer neuen Bank und nach bisschen Gefummel bekommen wir den Strafzettel von der Backe. Halleluja.



Was für ein letzter Tag. Irgendwie passend zu meinem Grundgefühl: heiter bis wölkig.
Übrigens: Später am Abend überquere ich extra noch ein paar Straßen. Wieder zu Fuß! Und mit dem anderen fast im Knast 🙂