14 Kilometer: Omalo-Dartlo

Zelt, Schlafsack, Isomatte, Klamotten, Kulturplastiktüte, Gaskocher und Essen für mehrere Tage – reingestopft in den Trekking-Rucksack! Ab geht die Post. Oli und ich schnallen die Wanderschuhe unter. Fünf Tage, 75 Kilometer, tausende Höhenmeter. Hinein in die kaukasische Einsamkeit. Dachten wir.
Bei Kilometer 7 plötzlich Kettensägen-Geheule. Mehrere, redselige Förster winken uns zu sich. Sie laden uns auf einen Schnaps ein. Chacha genannt. 55 Umdrehungen. Erst trinken wir auf die deutsch-georgische Freundschaft, dann auf die Liebe und am Ende auf Jesus Christus. Insgesamt fünf Runden für Oli, ich stoppe nach dem dritten Durchlauf. Zum Glück haben die Jungs Brot und Käse zum Ablöschen dabei.

Bisschen angedüdelt geht die Reise weiter. Immer wieder kommen uns Viehherden entgegen. Schafe, Ziegen, Kühe, Pferde – alles auf dem Weg zum Winterquartier! Auch die meisten Tuschen (Einwohner in Tuschetien) verlassen ihre Häuser und überwintern im Tal. Rund zwei Autostunden von ihrem Zuhause in den Bergen entfernt. Nur ein paar Familien harren hier oben aus – bei -20 Grad, Schnee-Overload und null Supermärkten. Unfassbar, wo und wie leben möglich ist.
Jetzt, kurz vor der Sperrung der Straße ins Tal (20. Oktober) leert sich also der Kaukasus – von Tag zu Tag ein bisschen mehr. Das Dorf, in dem wir nachmittags ankommen, ist schon so gut wie ausgestorben. Aus einem Schornstein strömt noch Rauch. Leben!

Es ist einsam und einzigartig zugleich. Touristen sind fast alle weg, dabei könnte die Landschaft nicht schöner leuchten. Rot, gelb, grün. Der Herbst pinselt die Hänge an. Die Sonne wärmt noch, aber die Luft trägt schon den Winter heran.
Und wir hören das Ticken der Uhr: nicht mehr lange, dann deckt sich der Kaukasus mit weißen Flocken zu.
