Tag 81: WIR SIND IN GEORGIEN

61 Kilometer: Çanaksu-Çildir-Grenzübergang zu Georgien-Kartsakhi

Ein kleiner, rechteckiger Farbfleck in meinem Reisepass. Der Stempel, der sagt: Du bist in Georgien! Nach so viel bergauf und bergab. Nach fast 4.000 Kilometern kreuz und quer durch Europa. Nach so vielen Zufällen und Glücksmomenten. Ich bin noch ganz durcheinander vor Freude.

Vor der Grenze hauen wir traditionell die letzten Kröten (Lire) auf den Kopp. Das heißt: Shopping-Time in Çildir! Das kleine Städtchen hat vor allem viel Bauschutt und Maschinen fürs Grobe zu bieten, es gibt aber auch ein paar Klamottenläden. Im erstbesten bleiben wir hängen. Zur Auswahl stehen Omi-Blümchen-Schlüpper, Jogginghosen von Gucci, Teppiche und T-Shirts. Wir entscheiden uns für letzteres und handeln so viel runter, dass wir uns noch in ein Café pflanzen können. Der letzte Çay vor der Grenze!

Noch einmal den Berg hoch und bisschen geradeaus, dann taucht er plötzlich auf, mitten in der Pampa – der Grenzübergang ins lang ersehnte Land, Georgien! Die Grenzer sind locker drauf. Lassen uns einfach durchfahren, ohne in die Radtaschen zu schauen. Zum Glück! Ich habe zum Beispiel eine angebrochene Konserve mit Tomatenmark am Start. Die Plastiktüte drumherum ist auch schon bisschen rot verschmiert. Könnte für Irritationen sorgen…Aber alles easy.

Ann-Sophie und ich umarmen uns, trinken einen Schluck Schnaps (Geschenk von Leuten aus Kroatien) und schieben uns Kekse rein. Wir haben es wirklich geschafft! Freudentänze und Grinsebacken-Faces! Jeder wartende Trucker wird angestrahlt. Das Licht ist auch so absurd schön. Alles mit Gold überzogen! Wir radeln schon nicht mehr, wir schweben schon!

Im ersten Dorf hinter der Grenze quatschen wir wieder Leute an. Ruckzuck öffnen sich Türen und Herzen. Eine Familie lädt uns zu sich ein. Wir sagen, dass wir sehr viel zum Mampfen dabei haben. Keine Chance! Die Omi tischt in Sekundenschnelle Fladenbrot, selbstgemachten Honig und Käse auf. Vollverpflegung!! Die Großeltern, der Urgroßvater und die Schwiegertochter (Mann und Tochter werktags in einer größeren Stadt) leben in einem Haus, nutzen aber eine kleine Hütte zum Kochen und Kreuzworträtseln. Da dürfen wir auch schlafen. Es ist so gemütlich. Draußen weht der Winter schon heran und hier drinnen ist es sehr behaglich…gute Nacht!

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