58 Kilometer: Kars-Arpaçay-Çanaksu

Kurbeln, Fahrtwind, miefende Fahrradhandschuhe: Wir sind wieder in unserem Element. Und direkt Flirtattacke auf dem Standstreifen der D965! Zwei rüstige Herren mit Gehhilfen (einmal Krücke, einmal Wanderstock) auf 12 Uhr. Anhalten, anhalten sollen wir. Einer der Señores – Schnauzbart, stattliche Wampe – krallt sich meine Hand und zieht mich zu sich. Cleverer Move! Kein Entkommen mehr. Schmatzer links, Schmatzer rechts. Dann ist Ann-Sophie dran. Der Opi verliert echt keine Zeit. Numero, numero will er. Jetzt aber mal halblang! Wir zeigen auf die Road und wimmeln ihn mit „Arpaçay, Arpaçay“ ab. So heißt das nächste Kaff.

Noch ganz beduselt von dieser stürmischen Begegnung rollen wir tatsächlich nach Arpaçay. Die Leute, fast nur Männer, schauen uns an wie Außerirdische. Die Gegend ist sehr ländlich, muss man dazu sagen. Viele Frauen können gar nicht radfahren. Daher sind dann gleich zwei Ladies mit Bikes in einer Kategorie mit weißen Rehen. Ein seltenes Naturschauspiel!
Dementsprechend aufgeregt sind dann auch Koch und Kellner in einem Restaurant, das wir aufsuchen. Sie weisen uns den Frauen-Salon zu. Ein separater Raum mit roten Tischdecken. Männer und Frauen essen offenbar getrennt.



Der Koch will noch ein Photo mit uns, dann rauschen wir wieder ab. Das Licht wird immer wärmer. Die Farben satter und die Landschaft unwirklicher. Ich habe noch nie so viele Gelb-Töne gesehen. Die raspelkurzen Weizenfelder, die Strohpyramiden, das angeleuchtete Gestein und dann noch der gelbe Mittelstreifen auf der Straße. Es ist so unfassbar schön. Wie ein anderer Planet. Wir sind auf 2.000 Meter Höhe. Hier wächst kein Baum mehr. Vereinzelt immer wieder Hütten und kleine Häuser. Viele Kuh- und Schafherden mit einem einsamen Bauern an der Seite, der sein Cappy lupft, wenn wir vorbeifahren.




In einem Dorf an der Straße folgen wir einer Kuhherde. Sie führt uns zu einem netten Opi, der immer wieder „Günay Abulak“ brabbelt. Ich halte ihm meine Übersetzungs-App unter die Nase. Dann kommt irgendetwas mit „Klaus Peking“.

Wir bekommen den totalen Lachanfall. Auf Google Maps, dann ein Treffer. Ah Günay ist ein Camping-Platz. Wir radeln los und nach wenigen Minuten hält schon ein Pick-up neben uns an. Wohl der Typ vom Campingplatz. Wir werden eskortiert. So cool. Networking auf dem türkischen Dorf – bestens!
PS.: Es sind nur etwa 50 Kilometer bis zur georgischen Grenze!!! Kribbelig vor Freude