
Der Dogu Ekspresi. Eine Hommage an die Gemählichkeit – auf Schienen. Die Diesellok mit den weißen Waggons und dem blauen, gewölbten Dach tuckert in 26 Stunden von West nach Ost. Mit höchstens 80 km/h über das anatolische Hochland und am Fluss Euphrat entlang.
Um fünf vor sechs an Bahnsteig 1 (Ankara) geht die Reise los. Wir fahren! Alles zieht an uns vorbei. Die Hochhäuser, die Autobahnen, der Lärm. Wir hocken auf großen, blauen Sesseln in unserem Abteil. Fühlt sich an wie ein Kokon mit Ohropax. Uns gegenüber ein junges Mädel und eine kommunikative, ältere Dame. Fünf Minuten nach Abfahrt grabbelt die Lady schon in ihrem Proviant-Koffer und zieht einen Beutel in Tragetaschen-Größe heraus. Darin Sonnenblumenkerne mit Schale. Wir knacken das Gehäuse, lutschen die Kerne heraus und freuen uns so sehr, dass wir noch zwei Plätze im Schlafwaggon bekommen haben. Das Glück hat schon wieder vorbeigeschaut.

Kurz darauf kommt einer der Schaffner zu uns und drückt uns weiße Pakete in die Hand. Handtücher vielleicht? Nee! Eine Bettdecke, ein Bettlaken, Kopfkissen und einen Bezug. Das wird ja richtig gemütlich hier! Wir klappen die Sitze um und beziehen unsere Gemächer. Noch einen Tee im Bordbistro und dann in die Horizontale. Es schunkelt so schön. Mal sind Glocken zu hören. Immer bei Bahnübergängen. Nächster Halt: Träume!
Die Nacht war ok. Bisschen zu oft Pippi. Der Tee hat wohl den Exit-Bereich eingefordert. Sonst einwandfrei. Liegt sich gut. Der nächste Tag: Augen reiben, strecken und wow, was für eine Landschaft. Felsen, Schluchten, zackige Gipfel. Keine Häuser, keine Menschen. Das Zugfenster umrahmt jeden Blick. Die Bilder könnte man direkt an die Wand nageln. Ich spüre: Diese Zugfahrt ist etwas ganz Besonderes. Der ohnehin ausgebuchten Schwarzmeerfähre weine ich keinen einzigen Tropfen hinterher. Es lebe die Eisenbahnromantik!






Der Service an Bord? Vom Feinsten! Einer der Angestellten des Bistros schenkt uns selbstgemachte Teigteile mit Käsefüllung. Schwarztee gibt es für umgerechnet 16 Cent. Klopapier geht erst um 16:30 Uhr aus. Bis zur Ankunft in Kars, ganz im Osten der Türkei, sind es noch dreieinhalb Stunden. So wenig! Wir würden gerne einfach noch länger, nur aus dem Fenster schauen.