Tag 78: Türkischer ÖPNV rockt!

21 Kilometer: Istanbul Busbahnhof-Bus nach Ankara zum Busbahnhof-Ankara Bahnhof

Weckerklingeln um 5:50 Uhr. Uh, ist das hart. Und so stockedüster draußen!

Mit Schlafkörnchen in den Augen geht es auf den Sattel. Istanbul und wir erwachen. Der Himmel hat die Farbe von Pflaumenjoghurt mit Aprikose (Sonne). Zum ersten Mal sehen wir Kinder mit Schulranzen. Straßenreiniger wirbeln herum. Die ersten Cafés und Börek-Stuben haben schon auf. Es riecht nach Schoko-Croissant! Ann-Sophie und ich fegen durch die Straßen. Zum Busbahnhof. Schönes Gewusel: dutzende Busse, Passagiere, Pakete und Koffer. Wir steuern unsere Company an. „VIB“ (very important bus?). Der Busfahrer, ein kleiner Herr mit rundlichem Gesicht, öffnet die Seitenklappen seines Geschosses. So toll, wir müssen die Räder weder auseinanderbauen, noch in einem Karton verstauen. Sie dürfen stehend über den Highway brausen. Topsache.

Im Bus fühlen wir uns wie im Flugzeug. Einer der Busfahrer ruckelt immer wieder mit einem Wägelchen durch den Gang. Mal gibt es Wasser, Snacks oder Kaffee/Tee. Alles gratis und dazu noch ein Augenzwinkern. Insgesamt drei Durchgänge und schon sind wir in Ankara!

Noch eine kleine Anekdote. Nee eigentlich zwei. Der Titel „Held des Tages“ wird heute zweimal vergeben. Zunächst an den Busfahrer. Auf der Autobahn hat er eine Vollbremsung hingelegt, um einen Straßenhund einzufangen und hinter die Leitplanke zu befördern. Okay, bisschen riskant, aber auch mutig. Und der andere Preisträger ist ein Mitreisender im Bus. Er hat uns sein Handy geliehen. Damit konnten wir unsere Zugtickets nach Kars (östlicher Zipfel der Türkei) upgraden. Wir hatten Sitzkarten für ganz normale Sessel. Jetzt haben wir zwei Karten für den Schlafbereich. Ohne türkische Handynummer, keine Competition! DANKE!

Zurück zur Busfahrt, die nach sechseinhalb Stunden in der türkischen Hauptstadt endet. Wir schnappen uns die Räder und unseren Hausstand und kurbeln zum Hauptbahnhof. Kleiner Schockmoment: Am Schalter wird uns gesagt, dass der Dogu Express, unser Bähnle, nur Klappräder mitnimmt. Oh no! So weit gekommen und dann so eine Hiobsbotschaft. Am Gleis setzen wir alles auf die Karte Charme, der Spuren von Hartnäckigkeit enthalten kann. Und es funktioniert!! Unsere Räder dürfen mit. Es gibt sogar einen Radstellplatz. Wir hängen Ann-Sophies Bike auf und meins binden wir mit Gummispannern dran. Das klappt. 26 Stunden mal die Perspektive wechseln.

Wir sind so erleichtert! Hocken im Zug. Knacken Sonnenblumenkerne. Und glotzen glücklich aus dem Zugfenster.

Hinterlasse einen Kommentar