65 Kilometer: Ahierven-Tekirdağ-Yeniçe

Liege ich wirklich auf einer Isomatte in einer Moschee? Ist doch verrückt. Ich reibe mir den Sand aus den Augen und fühle mich in ein orientalisches Bilderbuch gebeamt. So viele Schnörkel über mir zu entdecken. Die Farben leuchten, sind von der Sonne angeknipst.
Im Halbschlaf habe ich ein paar Gebetsfetzen mitbekommen. Gegen sechs Uhr morgens haben sich wohl mehrere Männer zum Beten eingefunden. Alle im unteren Bereich. Mein Fazit also nach der Nacht in der Moschee: gemütlich, geborgen, windstill.

Dann Frühstück mit den Mädels von gestern, die die Moschee als Schlafplätzchen klargemacht haben. Sie laden uns zu Tee und Wassermelone ein. Gestärkt und getränkt geht es zurück auf die Schnellstraße. Der Wind gegen uns, wir gegen den Wind. Vorbeirauschende Lastwagen, Abgase, fiese Steigungen. Sollen wir einen Bus nach Istanbul nehmen? Wir sind hin- und hergerissen. Die Straße ist so schrecklich, der Hintern brennt. Aber wir sind ehrgeizig, wollen nicht aufgeben. Wir radeln weiter. Insgesamt 60 Kilometer. Danach rien ne va plus.
In einem Städtchen an der Autobahn werden wir von einer netten Familie eingeladen. In ihren Garten. Und zum Abendessen. Wir lernen immer mehr türkische Wörter. Zum Beispiel „Teşekkürler“ (teeschökölasch). Das heißt „Danke“. Wieder werden wir überschüttet mit Essen und Herzlichkeit!
