52 Kilometer: Keşan-Hasköy-Malkara-Ahievren

Zweiter Tag in der Türkei. Was für ein Land! So weit, so groß, so herzlich.
Noch 200 Kilometer bis nach Istanbul. Die vierspurige Schnellstraße „E84“ donnert dahin. Sieht aus wie eine Autobahn. Gestern sind wir auf dem Standstreifen unterwegs gewesen. Heute wollen wir über die Dörfer fahren. Nach wenigen Kilometern versiegt der Teer. Nur noch Schotter und Gegenwind. Dafür hilfsbereite Opis. Bei einem Café fragen wir die Dorfältesten, ob irgendwann wieder mit Asphalt zu rechnen ist. Sie empfehlen uns die Schnellstraße. Wir überlegen und befragen Google Satellite. Die Straßenoberfläche ist kaum zu erkennen. Wir radeln ein Stückchen weiter. Von hinten kommt einer der Opis aus dem Café angedüst (darf der überhaupt noch Auto fahren) und schenkt uns jeweils zwei eineinhalb Liter Wasserflaschen. Wir entscheiden uns für die „Autobahn“ – ungern!
Auf dem Weg dahin brettert wieder der Opi an uns vorbei und zeigt nochmal auf die richtige Fahrtrichtung. So süß! Ähnlich engagiert sind die Menschen in der nächsten Stadt. Wir setzen uns in ein Café. Ein türkischstämmiger Mann, der in Wien lebt, spricht uns an: Hallo, braucht ihr etwas? Vielleicht einen Bäcker, sagen wir. Diese Info wird direkt an den Cafébesitzer weitergeleitet. Dieser saust zu seinem Auto, fährt weg und kommt mit zwei Beuteln zurück. Darin Börek und Brot.

Als wir bezahlen wollen, schüttelt der türkische Wiener vehement den Kopf. Wir sind natürlich eingeladen. Wie nett! Ich muss gestehen: Ich kann noch nicht mal „Danke“ auf Türkisch sagen. Voll Panne. Aber Blicke und Gesten können ja auch viel ausdrücken.
Und damit ist es mit der Gastfreundschaft noch nicht zu Ende. In einem Dorf in der Nähe der Schnellstraße fragen wir nach einer Wiese für unsere Zelte. Neben einem Café dürften wir hin, aber in den Ritzen der Pflastersteine halten meine Heringe nicht. Wohin? Drei nette Mädels haben sich unserer angenommen. Sie zücken ihre Smartphones und beschaffen uns einen unglaublich schönen und besonderen Schlafplatz: in der Moschee des Dorfes. Dort, wo die Frauen beten, dürfen wir unsere Isomatten ausbreiten. Vergleichbares würde man in Deutschland wohl nicht erleben!


Um 21 Uhr und um sechs Uhr morgens könnte es laut werden – wegen der Gebete. Kein Problem. Die Mädels verabschieden sich und wir richten unser Nachtlager ein. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal in meinem Leben, in einer Moschee ratzen werde. Vallah!