Tag 67: Mit Schneckentempo in die Türkei

78 Kilometer: Alexandroupoli-Grenzübergang Türkei-Keşan

Noch nie so viel Gegenwind wie heute gehabt. Aus jeder Himmelsrichtung (nur nicht von hinten) fegt ne Böe – in mein Gesicht und in meine Speichen. Fühlt sich an, als ob jemand meinen Gepäckträger festhält. Es ist so anstrengend. Großer Tag für die Powerpakete alias Bein-Muckis. Die müssen echt rackern. Aber die Perspektive, in die Türkei mit Rädern einzureisen, motiviert. Nach 40 Kilometer reihen wir uns in die Exit-Greece-Spur ein. Die rote, türkische Flagge flattert schon von weitem. Riesige Torbögen thronen vor uns. Der türkische Grenzübergang, ganz schön protzig.

Dann Herzklopfen bei der Passkontrolle. Werden sie mich nach meinem Beruf fragen? Und bekomme ich dann Probleme? Journalisten sind in der Türkei ja nicht so gern gesehene Gäste. Also im Falle einer Befragung habe ich mir diese Story zurecht gelegt: Ich schreibe Kinderbücher und verwende das Pseudonym „äßëlle“. In dem Namen stecken viele Buchstaben, die eine türkische Tastatur nicht kennt…das könnte die Suche nach personenbezogenen Daten erschweren.

Gute Nachricht: Wider Erwarten sind die türkischen Grenzer sehr entspannt. Einer zwinkert mir sogar zu. Hallöchen! Schlechte Nachricht: Auch in der Türkei ist der Wind gegen uns. Wir kämpfen, schimpfen und schnaufen. Bei dem Wind wird auch mein Zelt wieder beben. Nee, Wildcamping ist heute nicht. Ich will H.O.T.E.L! Spontan finden wir eins in Keşan. So gut!

Duschen, Magnesiumtablette rein und Tortellini auf dem Campingkocher im Hotelzimmer kochen. Alles wieder aufladen. Draußen ruft ein Muezzin zum Gebet.

Hoffentlich geht dem Wind die Puste aus!

Hinterlasse einen Kommentar