70 Kilometer: Donji Murici (Montenegro)-Grenzübergang Albanien-Shkodra-Kukël
Die nächste Balkan-Schönheit klopft schon an die Tür: Albanien. Unglaublich, wie wir über die Landkarte fegen.
Montenegro, wir sind nur vier Tage lang in deinen Wellen und Dellen herumgekurvt. Deine Landschaft ist wie üppig gefüllter Obstkorb. Es gibt Meer und Berge. Wilde Natur und herzliche Leute, zum Beispiel in Ostros. Eine kleine Gemeinde, kurz vor der Grenze zu Albanien. Hauptstraße, Mini-Supermärkte, Cafés, verteilte Schafködel. Und: fette Ami-Schlitten mit New Yorker-Kennzeichen. What the hell machen die denn in dieser kompletten Pampa? Wir sprechen eine Familie an. Sie klären uns auf: Anfang der 90er Jahre tobte der Krieg in Jugoslawien. 90 Prozent der Dorfbewohner sind geflohen und ausgewandert. Vor allem in die USA. Dort haben sie sich in den vergangenen 30 Jahren ein neues Leben aufgebaut. Im Sommer kehren sie manchmal in ihre Heimat zurück. Nur zum Urlaubmachen. Die Ami-Karren mit den absurdesten Kennzeichen (Massachusetts) düsen dann durch montegrinisches Niemannsland.

Okay, jetzt mal zu Albanien. Erste Eindrücke: Es gibt sehr viele Waschanlagen für Autos, in Cafés sitzen fast nur Männer und im Alphabet gibt es ein E mit Gänsehaut: Ë!
Wo übernachten wir wohl heute? Wir klappern ein paar Dörfer ab. Als wir uns gerade bissel verfahren haben, entdecke ich ein hübsches Häuschen mit verschlossenem Tor. Sieht gepflegt und irgendwie safe aus. Ich klingele, tut sich nix. Dann hält ein Auto davor. Eine sympathische Dame steigt aus und holt ihren Schwager. Er lädt uns kurz darauf in den Garten der Familie ein. Wir werden mit Herzlichkeit überschüttet. Dürfen unser Zelt aufbauen, duschen, uns wird kaltes Wasser gebracht und ein Abendessen serviert. Von den Eltern des Mannes. Sie leben in diesem großen Haus und bekommen immer wieder Besuch von ihren Kindern und Enkeln. Ihr Sohn, der Mann, der uns aufgenommen hat, lebt mit seiner Frau und vier Töchtern in London. Sie sagen nur: enjoy and relax! Meeeega!!!
