60 Kilometer, 1.450 Höhenmeter: Kotor-Cetinje-Camp Oaza

Küste oder Berge? Wir können uns nicht entscheiden und rollen erstmal in die Bucht von Kotor – der südlichste Fjord Europas. Fjord? Google sagt: ein schmaler Meeresarm im Landesinneren, der an drei Seiten von Festland umgeben ist. Aha! Also nicht nur so ein Skandinavien-Zeug.
Und wer schippert da plötzlich ab uns vorbei? Ein Kreuzfahrtschiff von der Papenburger Meyer Werft: The Brilliance of the Seas. Stapellauf 2001, Länge 292 Meter, Breite 40 Meter. Heimatgefühle!!

Zurück in Kotor: In der mittelalterlichen Stadt hatten 400 Jahre lang Venezianer das Sagen. Die gekachelten Dächer, die verzierten Säulen, die kopfsteingepflasterten Gassen. Ja, wir könnten auch in Italien sein. Viel zu entdecken, aber wir wollen weiter.



Wir nehmen die Bergroute. Von null auf knapp 1.500 Höhenmeter! Toughe Nummer! Vor allem die ersten 300 Meter. Mega steil. Das Vorderrad bekommt beinahe Flügel. Danach schlängelt sich die Straße nach oben. Mehr als 20 Serpentinen. Unterwegs treffen wir zwei französische Radler, die uns auf einen Drink einladen.
Snickers, Müsliriegel, Nektarine, Gurke, Studentenfutter. Alles, was wir haben, landet in der Futterluke. 30 Kilometer nur bergauf. Es klackt in den Ohren. Die Wolken berühren uns schon fast. Die Sicht? Unbeschreiblich!



Die Haare fettig, die Sonnencreme verschmiert, das Kettenöl am Bein: Wir. Dusche. Dringend. Auf dem Weg zum nächsten Supermarkt genießen wir die Abfahrt durch Felsenländ alias Nationalpark Lovcen. Achtung, Kuh auf Fahrbahn.


Wir holen unser Abendessen in Cetinje. In dem Ort, in dem kürzlich ein Amoklauf stattgefunden hat. Mulmiges Gefühl? Bisschen.
Auf einem Campingplatz in den Bergen treffen wir zwei andere Radler wieder. Sie haben ein Tipi-Zelt mit fünf Schlafplätzen. Wir dürfen auch reinschlüpfen. Ein Traum, nach so einem Tag!