81 Kilometer, 810 Höhenmeter: Gracac-Obrovac-Benkovac-Vraner See

Der EuroVelo8-Radweg und seine Gesichter. Ist schon kurios, aber manchen begegnen wir immer wieder. Die Boys, mit denen wir gestern gezeltet haben, treffen wir in einem Supermarkt wieder. Beim Abschied heute Morgen sagten sie noch: „Ihr findet uns bei den Backwaren“. Wie wahr. Bei den Kassen lernen wir auch endlich Mike kennen, schon jetzt eine lebende EuroVelo8-Legende. Er fährt oberkörperfrei und ohne Helm. Wegen seines gebrutzelten Teints haben Ann-Sophie und ich ihn „Mike brûlé“ getauft. Ich bin so aufgeregt, ihn endlich zu treffen. Er kommt wohl aus den Niederlanden und postet regelmäßig Stories auf Instagram. Zuletzt waren ihm Eier und Milch in der Radtasche ausgelaufen. Sah aus, wie frisch reingekotzt. Dieses Malheur hat ihn aber nicht davon angehalten, wieder eine 10er-Eierpackung auf das Supermarkt-Fließband zu legen. Bin gespannt, wann sich unsere Wege wieder kreuzen.

Auch Ann-Sophie und ich sind keine Nonames mehr. Wir haben uns mittlerweile einen Namen in der Szene erarbeitet, denn Mike begrüßt mich mit: „Ah, you are the fast girls“. Offenbar sind wir ziemlich flott unterwegs. Auch heute geben wir wieder Gummi – trotz der Hitze. Radeln im Backofen mit Ober- und Unterhitze mit Umluft. 38 Grad. Meine Radhose ist salziger als ne Tüte Chips.


Unser Weg führt uns durch die Ausläufer des Velebit-Nationalparks. Winnetou-Land. Felsen, Weite, brennende Sonne. Knallrotes Gesicht, aber der Kreislauf bleibt stabil. Am Ende tauchen wir ab, in einem See, kurz vor dem Meer. Hier übernachten wir auch, bei „Hotel Fledermaus“. Ein total unkomplizierter Campingplatz im Naturschutzgebiet. Geheimtipp!!
