51 Kilometer, 1.550 Höhenmeter (!!!): Bribir-Podbilo-südlich von Stolac
Regen, Hitze, Gewitter. Das Zelt hält. Auch bei stürmischen Böen. Wie letzte Nacht, obwohl ich einige Male dachte: So, das war’s, die Nähte platzen und das Zeltdach fliegt davon. Die Plane hat sich immer aufgeplustert oder gegen meinen Kopf geschlackert. Die Angst vor wilden Tieren? Mit dem Wind buchstäblich verflogen. Insgesamt eine kurze und anstrengende Nacht. Auch sehr laut.
Wind kommt per se jetzt aber nicht auf die schwarze Liste. Fahrtwind zum Beispiel kühlt und macht wach. Er zaubert jedes noch so matschige Gesicht in ein rotbackiges Outdoor-Wesen. Höhenmeter, ihr könnt kommen! Wir nutzen den EuroVelo8-Radweg. Schilder gibt es keine, aber dafür recht guten Empfang. Wir können die Route auf dem Handy gegenchecken. Die Landschaft vor uns: eine Mischung aus schottischen Highlands und Vogesen. Mittags halten wir in einem Ort mit dem Klang eines Putzmittels: Podbilo. In dem einzigen Gasthaus gibt es nix zu futtern. Nur Getränke und Eis. Wir nehmen zwei Radler und dürfen unsere Tütensuppen auf dem Gaskocher zubereiten. Der Wirt ist irritiert. Aber lässt uns machen.

Platzregen und Gewitter halten uns ne gute Stunde vom Weiterfahren ab.
Irgendwann grummelt es nur noch in der Ferne. Wir schnappen uns wieder unsere Bikes und müssen krass kurbeln. Knapp 900 Höhenmeter schlängelt sich die Straße nochmal rauf. Es wird immer verlassener. Keine Häuser, kein Supermarkt, kein Platz zum Schlafen. Das Gebirge hinter der Touri-Küste ist nahezu menschenleer. Wie ein anderes Land. Verwunschen und ursprünglich.



Die Schotterpisten am Ende saugen die letzte Energie aus uns heraus. Beim Hochschauen entdecke ich plötzlich Stromleitungen. Wo Strom, da Menschen. Beim ersten Haus, das wir sehen, klingeln wir. Eine aufgeregte Horde Franzosen öffnet die Tür. Sie machen gerade Urlaub hier, kommen eigentlich von der Côte d’Azur. Wir fragen, ob wir irgendwo übernachten können. Weil sie keinen Ärger mit der Vermieterin haben wollen, schlagen sie uns die Garage vor. Génial. Wir schlagen unser Zelt auf, haben Strom, WLAN und dürfen duschen. Wir Glückspilze!!!
