54 Kilometer: Brzac-Malinska-Bribir
Aus drei werden wieder zwei: Freundin Jacky fährt heute Abend in die Heimat zurück. Schnief! Von Rijeka (Kroatien) über Mailand nach Freiburg mit dem Flixbus. Zwei intensive Wochen on the road liegen hinter uns. Das Photoalbum im Köpfchen quillt über vor schönen Momentaufnahmen. Tschüss zu sagen, fällt schwer. Ein gemeinsames Abschieds-Snickers auf einem Supermarktparkplatz macht es irgendwie auch nicht besser.


Jacky ist so lieb und spielt den Packesel. Ann-Sophie und ich haben ihr jeweils einen Beutel mit überflüssigem Schnickschnack mitgegeben. Ich habe zum Beispiel einen Waschlappen, Klamotten und einen Schinken auf Französisch aussortiert. Die neu gewonnenen Zwischenräume in unseren Radtaschen füllen wir direkt wieder mit Lebensmitteln auf: Maisgrieß, Tomatenmark, Spaghetti, Haferflocken, Erdnussbutter (!), Kekse… ein bisschen mehr, als sonst, denn das kroatische Hinterland ruft.

Es hat sich ausgeinselt! Von Krk radeln wir auf das Festland. Dabei werden wir immer wieder angehupt. Die Einen feuern uns an, die Anderen schneiden uns den Weg ab. Wir bleiben cool und schauen nach vorne. Unsere Strecke wird immer entspannter. Keine Landstraße mehr mit Raudis und Rentnern in fetten Camping-Geschossen. Nur eine Teerlinie, die süße Dörfer wie eine Perlenkette miteinander verbindet. Links und rechts Felswände.
Nach Kilometer 50 wollen wir irgendwo ankommen. Warum nicht bei einem Automechaniker mit bunten VW-Bussen? Wir fragen, ob wir unser Zelt aufschlagen dürfen. Stirnrunzeln, verwirrter Blick. Er holt seine Tochter. Sie versteht Englisch und dolmetscht. Dann soll jemand von uns ins Auto einsteigen. Ann-Sophie schwingt sich auf den Beifahrersitz, um sich einen Platz zeigen zu lassen. Ich fülle währenddessen unsere Wasserflaschen in der Werkstatt auf.

Wir können auf einer etwas höher gelegenen Wiese von ihm übernachten. Glückstreffer! Wildcampen, da bist du endlich. Mit eineinhalb Litern Wasser mache ich eine Katzenwäsche. Wir kochen und saugen den Wiesengeruch ein. Die Abendsonne lässt die Felswände wie riesige Bernstein-Schatzkammern erscheinen. Herrlich!