Tag 31: Dösende Schattengewächse

Sonntagvormittag auf Krk

Wir brauchen keinen Wecker. Die Sonne schmeißt uns aus den Federn. Gegen 7:30 Uhr fühlt sich das Zelt schon wie ein Backofen an. Zu heiß, um weiterzuschlummern. Im Liegestuhl unterm Olivenbaum, mit Schlafmaske auf den Augen, gönne ich mir noch ein bisschen Restgedöse. Aber auch da mutiere ich schnell zum Schmorbraten. Unten am Strand ist noch keine Socke im Wasser. Ich tigere hinein. Direkt neben mir läuten die Glocken einer Kirche zur Sonntagsmesse. Autos biegen um die Ecke. Die Kirchenbänke füllen sich. Am Ufer weht Gebetsgemurmel zu mir. Ich wickle mir das Handtuch um, pirsche mich an die Kirchenmauer heran und lunse in den Altarraum. Da kommt ein Kirchenmensch und schickt mich weg. Klar, mein Dress ist eher so Beachbar als Beichtstuhl.

Mein Magen hat eh geknurrt. Es gibt lauwarmes Poridge mit Apfel, Orangenstücken und Mandeln. Derweil dreht die Waschmaschine auf dem Campingplatz für uns voll durch. Für 50 Kuna, umgerechnet etwa 6,70 Euro.

Wenn ein Liegestuhl im Schatten zum vorläufigen Zentrum der Welt wird, werden aus Kleinigkeiten plötzlich Großartigkeiten. Zum Beispiel eine selbstgemachte Guacamole. Drei Tage lang haben wir eine unreife Avocado im Schoße dreier Olivenbäume „brüten“ lassen. Wie ein Dino-Ei. Jetzt ist die Frucht endlich reif und wir können sie feierlich verschmausen. Mit Nachos. Was für ein Sonntagsfestessen. Für den Muskelaufbau gibt es noch Reis mit Ajvar.

Und so plätschert dieser Tag dahin. Morgen schwingen wir uns wieder auf die Räder. Aber heute passiert noch alles in slo-mo. Und so genießen wir mit allen möglichen Sinnen den letzten Abend mit Jacky – in dem beliebten Dorfrestaurant „Pud Brest“ in Milohnici. „Pud Brest“ heißt „unter dem Baum“ und ist jenen Dorfbewohnern gewidmet, die hier vor langer Zeit unterm Baum vor dem Steinhaus saßen und es sich haben gut gehen lassen. Wir denken an Euch!

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