
50 Kilometer: Lipsenj-Juršče-Ilirska-Bistrica-Trpcane
Rührei, Joghurt, Früchte, Honig, Marmelade, eine Aufschnitt-Platte und einen Apfel-Zimt-Kuchen mit weißen undefinierbaren Brocken: das Frühstück auf dem Bauernhof, nicht von schlechten Eltern. Draußen schifft es, drinnen wird gespachtelt. Pro Nase kostet dieser opulente Start in den Tag acht Euro, serviert von der Bäuerin. Bei den vielen „Wow‘s“, die uns entfleuchen, muss sie lächeln.

Ok, Regen fertig, Räder gepackt. Wald, viel Wald vor uns. Und ein Gefahrenschild: „Pozor! Bears in Area“. In Slowenien leben laut Wikipedia etwa 500 Bären. Es folgt eine kurze Teambesprechung. Was machen wir eigentlich, wenn ein Bär kommt? Ann-Sophie sagt: stehenbleiben, laut reden, nicht weglaufen. Check!

In meiner Tasche vorne habe ich den restlichen Schinken vom Frühstück drin. Ob das Bären anlockt? Bisschen Schiss habe ich ja in der Radbuchs. Aber alles harmlos. Einmal raschelt es im Gebüsch. Nur zwei Rehe.


Nach dem Wald kommt das Wunderland. Ein Hochplateau mit versprengten Felsen, gelbem Gras und knochrigen Bäumen. Lange kein Haus in Sicht. Unser Blick in die Weite. Meine Phantasie malt einen rassig-reitenden Slowenen in die Landschaft. Natürlich oberkörperfrei mit Leder-Fransenhosen. Ich, die Radtaschen und der Ranger – auf der Flucht vor den Bären. Der Soundtrack ist ja wohl klar:
Und wenn sie nicht gestorben wären, dann reiten sie noch immer und zwar ins nächste Dorf, nach Trpcane, kurz vor der kroatischen Grenze. In einem Gasthaus sind sie in Sicherheit vor wilden Tieren, abgehalfterten Halunken und Regengüssen.
