
Es grummelt, blitzt und schüttet. Das Shitwetter passt zu unserem Chill-Modus. Wollten sowieso die Bikes mal einen Tag stehen lassen und auf dem slowenischen Bauernhof bleiben. Wir daddeln an den Handys herum, kommen ein paar Seiten in unseren Büchern weiter und beobachten Ameisen. Die Regentropfen auf unserem Zeltdach klingen wie hibbelige Morsezeichen. So gemütlich!
Am Mittag färbt sich der Himmel wieder blau und die Sonne lässt alle Tropfen verschwinden. Wir beziehen drei verschiedene Lümmel-Stationen: die Hollywoodschaukel, die Hängematte und die Liegestühle. Dazu Erdnüsschen und ausbüchsende Jungbullen.



Zeit, mal alles baumeln zu lassen. Von Seele bis Schenkel. Und auch Zeit, einen Einblick in das organisatorische Drumherum unserer Reise zu geben:
Routenplanung?
Am Abend legen wir meistens die Strecke für den nächsten Tag fest. Dabei hilft uns „Komoot“. Die App zeigt das Höhenprofil der Tour an. Gibt es krasse Steigungen? Wo sind die Abfahrten? Wann müssen wir die Zähne zusammenbeißen? Welche Gemeinden liegen auf dem Weg? Nur Käffer oder auch Städte?Wo können wir etwas zu essen kaufen? All diese Fragen versuchen wir vorab zu klären. Im Schnitt strampeln wir dann zwischen 50 und 80 Kilometer am Tag – je nach Höhenprofil. Wenn die Piste flach ist, dann auch mehr. Mit Rückenwind, gerne auch dreistellig.
Unterkünfte?
Wir schwitzen tagsüber so viel, dass es ohne Dusche nicht geht. Wohlbefinden first, Wildcampen-Wollen second. Um ein lauschiges Plätzchen zu finden, zapfen wir verschiedene Kanäle an. Zum Beispiel die Plattform „Warmshowers“. Begeisterte Radler nehmen begeisterte Radler bei sich auf. Ohne Cash. Und sehr spontan. Doch manchmal sind die Biker selbst auf Tour oder antworten nicht. Dann suchen wir weiter über die App „Park4Night“. Da sind sehr viele Stellplätze für WoMos drin, aber auch Campingplätze und Bauernhöfe mit Wiesen für Zelte. Wir buchen nie etwas im Voraus (das geht meistens auch nicht), sondern fahren spontan hin. Hat bisher immer geklappt. In Städten greifen wir auf billige Hostels zurück. Da können wir auch unsere Klamotten wieder waschen und alles auffüllen: Shampoo, Sonnencreme, Zahnpasta…
Ausrüstung?
Mein Trekking-Rad (Fahrradmanufaktur T900) ist eigentlich zu schwer. Es wiegt fast 20 Kilo. Mit meinen Radtaschen und Eigengewicht bin ich bei mehr als 100 Kilo. 100 Mehlpackungen, die sich den Berg hochschieben. Too much. Dafür ist mein Rad sehr stabil, keine Malessen bisher. Die Haltung auf dem Rad ist auch sehr angenehm, keine Nackenschmerzen. Beim Radtaschen-Content werde ich noch optimieren: Die Bluetooth-Box und die Hängematte müssen gehen. Zu selten benutzt. Sonst tiptop!
Muskelkater, Motivation?
Die Beine machen super mit. Zero Krämpfe bisher. Liegt bestimmt am Magnesium. Jeden Morgen gibt es ein Pülverchen in die Getränkeflasche.
Die Sonne saugt zwar Energie, aber alles besser als Dauerregen. Bock auf Radeln habe ich auch noch. Sobald ich auf dem Sattel hocke, bin ich so zufrieden. Lungen, Kopf, Herz – der Fahrtwind pustet alles durch. Draußensein macht süchtig. Und Freiburg-Heimweh habe ich überhaupt nicht. Bin im Flow. Nur der Chéri fehlt.