Tag 19: Nunter, nauf, nüber

57 Kilometer, 920 Höhenmeter: Hartberg-Obgrün-Feldbach-Bairisch Kölldorf

Symbolbild: Tag 19

Österreich gibt auf den letzten Kilometern nochmal alles. Die Landschaft, ein wahrer Garten Eden. Überall Obstbäume und überbordende Äcker. Pfirsiche, Zwetschgen, Trauben. Aus dem Rinnstein picke ich Pflaumen auf. Später wird uns eine Einheimische erzählen, dass die Oststeiermark die Toskana Österreichs genannt wird. Wie wahr. Auf den Feldern fußballgroße, grüne Kürbisse. Und Maisstauden, größer als Basketballspieler. Auch die Vorgärten, grüne Symphonien, zero Dissonanzen.

Man könnte meinen: Die Ösis, die können einfach alles. Guten Wein, feine Hendl und dann auch noch menschlich alle locker per „Du“. Nur beim Straßenbau zeigen sich Defizite. Flache Straßen, Fehlanzeige. Meine Freundin und ich mühen uns ab. Nach jeder Abfahrt kommt die Quittung. Wieder ein Anstieg. Im ersten Gang sind wir ein leichtes Opfer für Bremsen und co. Es ist eigentlich auch viel zu heiß zum Radeln.

Die letzten zehn Kilometer sind die schwersten. Wir fluchen, wir schwitzen, wir wollen nicht mehr.

„Schatzi, schenk mir ein Photo“ – Nö!

Der Empfang am Campingplatz dafür umso schöner. Ein etwas reiferer, älterer Herr in einem labbrigen Poloshirt macht den Alleinunterhalter. Mikrofon in der Hand, verwirrter Blick in die Crowd. Als wir unsere Räder abstellen, dröhnt er gerade „Smoke on the water“. Der Stimmungskanone mit Lesebrille: Charlie aus Bairisch Kölldorf. Gefeiert wird ein Holzhäuschen mit vielen verschiedenen Automaten vor dem Campingplatz. Der Besitzer des Camping-Restaurants hat das Automatenlädelchen mit Würstl, Limos und Süßigkeiten just heute eröffnet.

Nach der Dusche gesellen wir uns zu der Partymeute und bekommen gleich zwei Jägermeister in die Hand gedrückt. Charlie dreht an den Reglern. Wir dancen mit den Dörflern und jodeln zu den Liedern. Alle Muskeln mal ausschütteln, abspacken, gröhlen, wie gut das tut.

Hinterlasse einen Kommentar