Tag 18: Kriecherl für umme

80 Kilometer, 1070 Höhenmeter: Dillmonhof-Pitten-Aspang am Markt-Mönichkirchen-Hartberg

Mit einem linken Matschauge aufgewacht. Das Lied ist rot und juckt und mein Augenweiß ist eher beige. Der Apotheker in der Dorf-Pharmazie schaut mir ganz tief in die Augen und verkauft mir irgendwelche Tropfen. Hoffentlich keine Bindehautentzündung. Vielleicht habe ich mir zu viel Sonnencreme auf die Stirn geklatscht. In der Kombi mit Schwerkraft, Schweiß und Fahrtwind vielleicht matschaugenfördernd? Mal gucken.

Genug Mimimi, zurück zur Tour und den kleinen, magischen Momenten, so wie heute Vormittag. Ort des Geschehens: ein Mirabellenbaum in einem niederösterreichischen Kaff. An den Zweigen baumeln so viele rotbackige Kügelchen. Ich muss anhalten und mir einige herunterrupfen. Plötzlich eine Stimme hinterm Baum: „Habt ihr die GrXXXX gegessen?“ Eine ältere Dame nähert sich. Oha, das gibt Anschiss. Um die Lage zu deeskalieren, flunkere ich und sage, dass ich nur zwei genommen hätte (kauend). Die Dame, total relaxed, stapft in ihren Garten und kommt mit einer Leiter zurück. Wir sollen so viele „Kriecherl“ mitnehmen, wie wir können. Überraschende Wendung. Sie hält die Leiter und ich mache mich an die Ernte. Ob wir ins nächste Dorf fahren, fragt sie. Nee, nach Georgien, meine ich. Sie bekommt fast einen Herzinfarkt.

Nach der „Kriecherl-Beute“ mutiere ich zum Strecken-Kriecherl. Eineinhalb Stunden schnaufe ich mich – im ersten Gang – 700 Höhenmeter hoch. Oben angekommen, bin ich ein einziger lila-schwarzer Schweißfleck. Der auch noch Hunger hat und bewirtet werden will. Die Kellnerin im Gasthaus-3-Länderblick in Mönichkirchen lässt sich nichts anmerken. Sehr professionell. Ich bestelle eine vegane Gemüsebowl. Obwohl es Burger mit Pommes gibt. Muss der Elektrolytemangel sein.

Der Ausblick in Mönichkirchen

Nach der Mittagspause erreiche ich die Steiermark. Meine Freundin Jacky auch, aber auf Schienen. Vor dem krassen Anstieg ist sie in einen Zug gestiegen. 700 Höhenmeter am zweiten Tag. Bisschen heavy. Wir treffen uns auf einem Campingplatz in Hartberg wieder. Wir kredenzen Risotto auf dem Gaskocher und schnibbeln die „Kriecherl“ in einen Quarkpott. Danke, Maria! So hieß die Gute nämlich.

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