
Beim Spüldienst habe ich heute meinen österreichischen Wortschatz erweitert. „Strankerl“ oder auch „Fisolen“ sind Bohnen und die habe ich gemeinsam mit der Mutti meiner Freundin kurz und klein gehackt. Morgen gibt es veganes Strankerl-Gulasch. In der vegetarischen Version, ein typisches Gericht aus Kärnten. „Ribisl“ sind übrigens Johannesbeeren und „Paradeiser“ Tomaten. Ein Wort ist besonders hübsch: Wenn etwas richtig toll ist bzw. mega gut schmeckt, sagen die Wiener „leiwand“, leitet sich vom Begriff Leinwand ab. Kommt wohl aus der Zeit des Leinenhandels in Kombination mit Bierausschank im 15. Jahrhundert.
Nach vier Stunden Tellerwaschen raus aus der Küche und ab auf die Straße – mit Sack und Pack. Was mache ich denn jetzt? Sisi-Tour im Schloss Schönbrunn oder Friedhof der Namenlosen, ein „Tipp“ von Gudrun. „Der Tod, das muss ein Wiener sein“ heißt es doch im Lied von Georg Kreisler und Topsy Küppers. Ich lasse also die Wiener Prunkbauten hinter mir und folge dem Donaukanal in Richtung Süden. Nach dem Tierkrematorium bin ich fast da. Auf dem Friedhof der Namenlosen im Bezirksteil Albern (im Ernst) sind Menschen begraben, die die Donau zwischen 1840 und 1940 angeschwemmt hat. Dutzende Kreuze, Unkraut, verwitterte Teddybären. Bedrückend die Tafeln mit der Aufschrift „Unbekannt“ oder „Namenlos“ zu lesen. Noch bedrückender sich vorzustellen, wie es dazu gekommen ist. Ich drehe mich um und entdecke ein in Stein gemeißeltes Gedicht: „Still ist‘s in den weiten Auen. Selbst die Donau ihre blauen Wogen hemmt. Denn sie schlafen hier gemeinsam, die die Fluten still und einsam angeschwemmt. Alle, die sich gesellen, trieb Verzweiflung in der Wellen kalten Schoß […].“ Schwere Kost für eine Frohnatur. Bereue den Besuch aber nicht. Auch dieser Ort gehört zu Wien.



Nach dem Friedhof zieht es mich wieder ins Leben. Ich strampele ins Wiener Herz und merke, dass mich Google Maps in die falsche Hinmelsrichtung geschickt hat. Mein Ziel: die Wohnung meiner Freundin Agneta. Sie ist gerade in Deutschland und ich darf in ihre Bude. Das Problem: Ihre Adresse gibt es zweimal. Einmal in Wien und ein anderes Mal in einem Vorort von Wien. Sie hat mir die Koordinaten geschickt, die mich beim Draufklicken in die etwas entferntere Brunnengasse lotsen. Okay, Zähne zusammenbeißen und los, 20 Kilometer, dann habe ich es geschafft. Vor Ort stelle ich fest, dass die Beschreibungen nicht hinhauen. Ja, bin i deppert?! Offenbar! Nochmal zehn Kilometer durch die Wiener Banlieue. Vorläufiger Tiefpunkt. Muss mein Rad wegen einer Baustelle steile Stufen hochtragen und verliere fast die Power. Da hilft nur ganz schnelles Ankommen und ein Radler im benachbarten „Heurigen“, das ist übrigens eine Besenwirtschaft/Strauße. Uff, Prost!