Tag 12: Auf die richtige Mélange kommt es an

Das Café Hawelka – eine urige Adresse in Wien

Schlafen, Schritttempo, Schaufenster angucken: die Räder machen Pause im Hinterhof und wir streunern durch die Wiener Bezirke. Zum Frühstück gibt es einen Puddingkrapfen und einen Powidlkrapfen (quasi Berliner mit Pflaumenfüllung) und für den Durst eine Wiener Mélange im Café Hawelka. Hier räumt der Chef noch persönlich die Tische ab und begrüßt Neuankömmlinge mit einem „Servus, meine Lieben“ – eine Herzlichkeit, die auf seine Kellner nicht ganz so abgefärbt ist. Professionell reserviert bringt uns ein Ober mit Fliege, weißem Hemd, schwarzer Hose und Weste unsere Wiener Mélange. 4,90 Euro für ein kleines Tässchen. Stolzer Preis. Aber auch ein stolzes Haus. Zu recht. In dritter Generation betreiben die Hawelkas schon diese Institution. Josefine und Leopold Hawelka eröffneten das Kaffeehaus, einen Tag nach ihrer Hochzeit. Vor rund 80 Jahren etwa. Und es scheint, als habe sich seitdem nicht so viel verändert. Draußen futuristische Betonbauten, drinnen verblichene Stofftapeten, alte Standuhren und Apfelstrudel in der Luft.

Auf dem Weg zum Prater, vorbei an Häusern, die von außen wie aufeinander gestapelte weiße Blockschokoladen aussehen, zeigt mir Lars ein Upcycling-Hotel von der Caritas „magda‘s“, ein ehemaliges Altenheim aus den 70ern. Durchgesägte Stühle dienen zum Beispiel als Nachtschränkchen. Fancy!

Ein Hauch von Melancholie umweht mich in den späteren Abendstunden. Morgen reist mein „großer Bruder“ Lars ab. Als Krönung gönnen wir uns jeweils ein Wiener Schnitzel vom Kalb mit Erdäpfeln und Vogerlsalat. Wie sich später herausstellt, war das für Lars nur eine Vorspeise. An einem Wurststand müssen wir nochmal einen Stopp einbauen. Bestellt wird eine „Eitrige“ (Käsekrainer) und ein 16er Blech (Dosenbier). Das Kontrastprogramm folgt am nächsten Tag: Ich werde als Küchenhilfe in einem veganen Lokal arbeiten. To be continued!

Abschiedsschnitzel im Gasthaus zu den 3 Hacken

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