113 Kilometer: Emmersdorf an der Donau-Krems-Tulln-Wien

Am Anfang habe ich die Proteinriegel weggeatmet, jetzt die Kilometer. Mit nachgepumpten sechs Bar in den Reifen und Rückenwind saugen sich die Pistenmeter weg. Klar, der Po schmerzt. Eine spezielle Creme für die Druckstellen am Allerwertesten, weil ich es mir wert bin, kam schon öfters zum Einsatz. Hintern hin oder her, es heißt nach vorne schauen.
Alle Zeichen stehen auf Kurbeln. Zuerst durch die Wachau. Ein malerisches Donautal mit felsigen Hängen, saftigen Reben und netten Bullen. Von zweien sind wir angehalten worden, weil wir auf einer schnelleren Straße unterwegs waren. Die Herren weisen uns den Weg zum Radpfad und zur nächsten Bäckerei. Top Service!

Wir geben uns ein Tempo-Battle mit zwei Gravelbikern und machen noch eine Pause am Donauufer. Wien, noch 35 Km. Vamos! Mein Energielevel sinkt und sinkt. Auch die Konzentration. Ampeln, Kreuzungen, Zebra-Streifen. Ich bin im Tunnel. Noch einmal in den Riegel beißen und die letzten zehn Kilometer anpacken. Die Donau hält uns die Treue – bis wir in den 20. Wiener Bezirk abbiegen. Meine Freundin Gudrun grüßt uns aus ihrem Fenster heraus. Wir stehen ganz verdattert auf dem Bürgersteig. Wirklich in Wien? 11 Tage, fast 1.000 Kilometer in den Beinen. Zwischenziel erreicht.

Gudrun lebt in einem Altbau mit Toiletten auf dem Gang. Wir verrücken ein paar Möbel in ihrer Wohnung und richten unser Nachtlager her. Wieder eine Bettdecke auf der Haut. Was vorher normal war, ist jetzt ungewohnt. Wie schnell das geht…
Ausgehungert streifen wir durch Wien und machen es uns im Gasthaus „Zum Friedensrichter“ gemütlich. Weiße Tischdecken, Kerzenlicht, glühende Wangen. Und natürlich wieder Marillenknödel 😉
