104 Kilometer: Traun (Linz)-Mauthausen-Grein-Emmersdorf an der Donau

Die Donau ist back! In Donaueschingen haben wir ihre Geburtswiege schon bewundert: ein pompöser Brunnen mit zwei Statuen. Die Mutter „Baar“ zeigt ihrem Töchterchen „Donau“ den Weg zum Schwarzen Meer. Wir sind der Richtung gefolgt und lassen uns ab Linz von der Donau wieder leiten. Der Radweg ist sehr gut ausgebaut, Pedalisten wird der schwarze Asphalt-Teppich ausgerollt. Es ist flach und wir können so richtig heizen. Durchschnitts-Tempo: etwa 25 km/h. Leider müssen ein paar cognacfarbene Nacktschnecken dranglauben. Wir sind zu schnell und können nicht mehr ausweichen. Warum wollen die Sabber-Tierchen überhaupt auf die andere Seite des Weges? Verstehe ich nicht.

In der Nähe von Mauthausen müssen wir die Donauseite wechseln. Ein Fährmann mit Marine-Pulli und warmherzigen Augen empfängt uns auf seinem Kutter. 300 Radler habe er gestern an das andere Donau-Ufer gebracht, heute sei wenig los, zu viele Wolken am Himmel berichtet er. Wir kommen ins Plaudern. Ich erzähle von meinen Reiseplänen. „Nach Georgien? Was wollens denn da?“ Wenn es nach ihm ginge, ist Österreich die Endstation. Fährfrauen werden ohnehin gesucht. Wohl nur Männer hinterm Steuerrad. Für die Überfahrt überlässt er daher mir das gebeizte Holzrad. Den gegenüberliegenden Steinsteg zu treffen, unmöglich für mich, also übernimmt er wieder. Die Fähre, für ihn ein Spielzeug, sagt er.



Wir spulen die Kilometer herunter und der Wind drückt uns nach vorne. Zwischenstopp bei Manuelas Imbiss. Mehrere ältere Herren knabbern an so runden Bollen. Will ich auch! Und wieder ein Fest für die Geschmacksnerven. Bekomme zwei warme Marillenknödel mit zuckrigen Haselnussstreuseln und Sahne serviert. Mitfahrer Lars hat eine Nussallergie und bekommt nackte Knödel.

Alles fühlt sich auf einmal sehr schwer an und ich verfalle in ein Knödel-Koma. Die Durchschnittlichsgeschwindigkeit wird radikal gedrosselt.
Gegen frühen Abend kommen wir nach mehr als „onehundred K“, wie Lars sagt, auf einem Campingplatz an der Donau an. Jetons für sechs Minuten duschen gibt es umsonst. Neben dem Platz gibt es eine Bude mit Steckerlfisch. Die Mitarbeiter sehen aus wie Rammstein-Bandmitglieder. Ruß im Gesicht, schwarze Klamotten, Kettensägen-Blick. Vom spooky Look lassen wir uns aber nicht abschrecken und bestellen munter drauf los. Steckerlfisch sind in unserem Fall Makrelen. Gewürzt auf einem Stock aufgespießt und dann am Feuer gegart. Es gibt Weinschorle im Pappbecher mit Donaublick. An Guaden!

